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Radio PMR Archiv: Die Nachrichten fĂĽr den 24. Januar 2007

Posted in Radio PMR Transskripte von admin am 24. Jan. 2007
  • Parlamentswahlen in Serbien
  • Fortschreitende “Rumänisierung” in Moldau

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Am vorigen Sonntag haben in Serbien die Parlamentswahlen stattgefunden. Den Sieg hat die Serbische Radikalpartei errungen. Die Patrioten haben etwa 30 % der Stimmen erzielt und sind die grösste Fraktion im serbischen Parlament. Die Wahlbeteiligung lag bei 60,49 Prozent. An den Wahlen nahmen insgesamt neun Parteien teil. Obwohl die demokratischen Parteien genug Stimmen bekommen haben, um eine Regierung zu bilden, werden sich die Koalitionsverhandlungen nach Ansicht von Beobachtern schwierig und langwierig gestalten. Der serbische Präsident Boris Tadic und Ministerpräsident Vojislav Kostunica erklärten indes ihre Bereitschaft zur Aufnahme von Verhandlungen ĂĽber die Bildung einer Koalitionsregierung. Die Regierung soll laut dem Gesetz spätestens 60 Tage nach der ersten Sitzung des neu gewählten Parlaments gebildet werden, die wiederum spätestens am 25. Februar stattfinden soll. Widrigenfalls werden neue Parlamentswahlen anberaumt. Der russische Präsident Wladimir Putin ist der Meinung, dass der Kosovo zu einem Präzedenzfall fĂĽr die Beilegung ähnlicher Konflikte in GUS-Ländern werde. “Wenn wir im Kosovo das Problem lösen, so muss diese Lösung in analogen Fällen im postsowjetischen Raum angewendet werden. Dasselbe kann sich auch auf einige europäische Länder beziehen”, sagte der Präsident auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit der deutschen Bundeskanzlerin. Die am gestrigen Sonntag in Serbien abgehaltene Parlamentswahl sei ohne Gesetzesverletzungen und unter Einhaltung aller demokratischen Normen gelaufen. Das erklärte der Vize-Vorsitzende des russischen Föderationsrates und Leiter der Beobachtergruppe von der interparlamentarischen Versammlung der GUS-Staaten, Alexander Torschin. „Die Abstimmung verlief ruhig, alle BĂĽrger hatten die Möglichkeit einer freien Willensbekundung“, bemerkte er. Der russische Senator unterstrich, dass junge Menschen sowie die Zigeunergemeinschaft an den Wahlen am aktivsten teilgenommen hatten. Weniger aktiv seien die Albaner gewesen. Die Beobachtergruppe der interparlamentarischen Versammlung bestand aus neun Mitgliedern. „Ich will hervorheben, dass die Delegation der interparlamentarischen Versammlung zum ersten Mal in der Geschichte der GUS eine Wahl auĂźerhalb der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten beobachtete“, betonte Torschin. Er wies auch auf die Bedeutung der Wahl hin, da sie zum ersten Mal seit der Teilung von Serbien und Montenegro zustande kam. „Die Abstimmung spricht fĂĽr die Stabilität des politischen Prozesses und der Entwicklung in der Republik Serbien“, so der Vize-Vorsitzende des Föderationsrates. Bis heute verfolgt die Serbische Radikale Partei das Ziel eines „Grossserbien“. Der stellvertretende Parteichef, Tomislav Nikolic, hat noch am Vorabend der Wahlen erklärt, der Kosovo sei „serbisches Land“ und Bosnien „ein Land, das nicht ĂĽberleben kann“. Offiziell angefĂĽhrt wurde die Liste der Radikalen von Seselj. Doch dieser sitzt seit letztem Februar im internationalen Gefängnis in Scheveningen. Nikolic hat sich nach dem Wahlerfolg beeilt zu erklären, der Sieg der Radikalen sei hauptsächlich ein „Sieg von Seselj“ und eine „Ermutigung fĂĽr alle Serben, die in Haft sitzen“. Trotz der 83 von insgesamt 250 Sitzen im Parlament sind die Radikalen nicht in der Lage, die Regierung zu bilden. Aber sie verfĂĽgen ĂĽber eine Sperrminorität, was die Aufgabe des zersplitterten demokratischen Lagers noch weiter erschweren wird. „Ohne uns wird die serbische Verfassung nicht mehr geändert werden können“, freut sich Nikolic. Unmittelbar nach den Wahlen schlug Nikolic der Demokratischen Partei Serbiens (DSS) von Vojislav Kostunica vor, eine Koalition zu bilden, denn die Programme beider Gruppierungen wiesen „zahlreiche Ă„hnlichkeiten auf“. Tatsächlich geht die DSS in vielen Punkten mit den Radikalen einig, insbesondere in der heftigen Kritik am Uno-Kriegsverbrechertribunal. Doch der ehemalige jugoslawische Präsident Kostunica wollte im demokratischen Lager verankert bleiben und schlug das Angebot der Radikalen aus. Wahrscheinlich wird es in Serbien zu einer Grossen Koalition kommen, bestehend aus DSS, der Demokratischen Partei des ermordeten Regierungschefs Zoran Djindjic und der G17+, der Gruppe von marktliberal orientierten Wirtschaftsexperten. Diese drei Gruppierungen, die einst im Kampf gegen das Regime Milosevic vereint waren, mĂĽssen sich zusätzlich noch mit den Monarchisten von Vuk Draskovic arrangieren, die wieder auf der politischen BĂĽhne aufgetaucht sind. Doch die vier Gruppierungen, die zusammen die Regierung bilden könnten, haben in grundsätzlichen Fragen divergierende Meinungen. Es stehen also schwierige Gespräche bevor. Die EU wird wahrscheinlich auf die Bildung einer Grossen Koalition drängen. Eine solche Regierung wird aber ĂĽber keinerlei politische Kohärenz verfĂĽgen. Deshalb ist nicht ausgeschlossen, dass schon bald erneut Wahlen stattfinden mĂĽssen. Der Sieg der Radikalen kann die Pläne von jenen stören, die schon das Szenario der Kosovo-Unabhängigketi entworfen haben. Wenn die Kosovo-Unabhängigkeit trotz des Willens Belgrads anerkannt wird, wird der unumstrittene Präzedenzfall fĂĽr die Anerkennung der Unabhängigkeit Pridnestrowien, Abchasiens, SĂĽdossetiens und Bergkarabachs geschaffen. Ihre Chance auf die Unabhängigkeit können auch das Baskenland, die russische Bevölkerung der Krim, die bosnischen Serben und andere Völker Europas versuchen, zu benutzen. Die Lösung der Kosovo-Frage ist nahe. Ende März muss diese Frage in der Sitzung des UN-Sicherheitsrates besprochen werden. Eben zu diesem Zeitpunkt wird Russlands Präsident Putin entscheiden mĂĽssen, was zu machen ist – entweder die Resolution zu blockieren oder sich der Stimme zu enthalten. Es ist ganz möglich, dass Russland bei der endgĂĽltigen Abstimmung im UN-Sicherheitsrat zwischen Kosovo als Teil Serbiens und Kosovo als Präzedenzfall in der Weltpraxis die letztere Variante wählen wird. Sie wird den Weg fĂĽr die Unabhängigkeit der nicht anerkannten Republiken des postsowjetischen Raumes bahnen.

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Auf dem Weg nach Rumänien, in der moldauischen Hauptstadt Kischinjow hat sich eine tausendköpfige Menschenreihe gebildet. Die Einwohner Moldaus strömen nach Bucharest und träumen von rumänischer Staatsangehörigkeit. Der rumänische Präsident Traian Basesku hat den moldauischen Bürgern während des am vorigen Dienstag stattgefundenen Gipfels mit moldauischem Staatschef Voronin die Hoffnung auf rumänische Staatsbürgerschaft geschenkt. Rumänischer Leiter hat Bescheid gegeben, Bucharest werde seine bessarabischen Brüder nicht im Stich lassen und sie würden im grossen Rumänien ihr Glück bekommen. Bekanntlich ist Rumänien seit dem neuen Jahr das EU-Mitglied. In Moldau hat dieses Ereignis vorhersagbare Folgen. Seit den ersten Tagen ist vor dem rumänischen Konsulat in Kischinjow eine grosse Menschenmenge erschienen. Ab jetzt darf nach Rumänien nur mit einem Visum einreisen. Zwar hat Bucharest alle Ausgaben auf sich genommen und die Moldauer bekommen die Visen umsonst, aber das hat das Problem nicht gelöst. Heute strömen Tausende von moldauischen Bürgern nach Rumänien. Täglich stellt das rumänische Konsulat in Kischinjow etwa 200 Visen aus. Das ist viel weniger als die Zahl der wünschenden – die Menschen stehen vor dem Konsulat Tag und Nacht, um das Visum zu erhalten, damit sie nach Bucharest fahren dürfen. Das Visumthema war der offizielle Anlass für den Besuch des rumänischen Präsidenten in Kischinjow. Moldauische Presse hat diesen Besuch als blitzschnell bezeichnet. Die Visumsfrage wurde binnen einer Stunde gelöst – bis zum Ende Januar werden in Kahul und Belzy zwei neue rumänische Konsulate eröffnet werden. Diese Massnahme soll die Ausstellung der Visen für alle beschleunigen, die nach Rumänien streben. Ausserdem plant Bucharest für sein Kischinjower Konsulat ein neues Gebäude zu kaufen. Nach den Worten von Basescu werde die rumänische Vertretung in Moldau die grösste nach dem Arbeitsaufwand unter allen Auslandskonsulaten Rumäniens sein. Bucharest hat in Moldau wirklich viel zu tun. Zwei Präsidenten haben nicht nur über die Visen gesprochen. In Kischinjow hat Basescu eine wichtige Zahl verlautbart, den Angaben der rumänischen Botschaft zufolge hätten mehr als eine halbe Million Moldauer die Ansuchen eingereicht, sich den rumänischen Pass auszustellen. Die Zahl nimmt weiterhin zu. Bucharest verspricht seinen bessarabischen Brüdern zu helfen. Basescu sagte, nächste Woche wird das Quantum der rumänischen Mitarbeiter des rumänischen Konsulats in Kischinjow grösser. Die Kischinjower Presse schriebt, nach dem Basescus Besuch sei Rumänien näher geworden, die Beziehungen zwischen den Ländern erreichten eine neue Etappe. Das strategische Ziel dieses Politik hat Traian Basescu im Sommer des vergangenen Jahres erläutert. Er hat erklärt, Moldau und Rumänien würden ein Staat werden, genauso wie es dem deutschen Volk passiert sei. Traian Basescu hat angekündigt, Rumänien bleibe noch in zwei Länder zerteilt. Das sei das einzige Land der Welt und das einzige Volk, das nach der Wiedervereinigung Deutschlands noch geteilt bleibe. Die guten Beziehungen mit Moldau förderten in der ansehbaren Zukunft die Wiedervereinigung der beiden Länder und diesmal innerhalb der EU. In Kischinjow haben diese Worte eine grosse Resonanz gehabt. Die Leiter einiger Parteien in Moldau haben das Sonderkomitee gestiftet, um die Erklärungen von Basescu zu unterstützen. Die Programmerklärung des Komitees enthält der Aufruf an die moldauischen Mächte, aufrichtig zuzugeben, dass Bessarabien nur einen Weg nach Europa habe und zwar durch grosses Rumänien. In der Erklärung wird gesagt, Moldau sei ein zahlungsunfähiger und insolventer Staat, der nicht imstande sei, die Integration in die europäischen und euroatlantischen Strukturen selbstständig umzusetzen. Die Integration Moldaus in Europa sei erst dann möglich, als es ein Bestandteil Rumäniens werde. Der rumänische Vektor als moldauische Rettung, die Veranschaulichung dieser Idee ist die Szene am vergangenen Dienstag, als Basescu in Kischinjow empfangen wurde. Im Zentrum der moldauische Hauptstadt haben die Plakate den rumänischen Leiter erwartet, auf denen es stand, dass die Grenze über den Fluss Prut beseitigt werden sollte. Die Kischinjower Presse schreibt weiter, die Menschen hätten sich durch die Leibwächter durchgesetzt, um die Basescus Hände küssen zu können. Den rumänischen Präsidenten hat man nur um eins gebeten – um die Wiedervereinigung. Der gerührte Basescu hat gesagt, bald werden wir zusammen sein. Der rumänische Präsident hat Gründe für den Optimismus. In Moldau wird 16 Jahre lang eine umfangreiche Arbeit geleistet. Die Bildung, Kultur, Sozialprogramme: all das funktioniert nach den rumänischen Standards. In der benachbarten Republik ist die ganze Generation aufgewachsen, die ihre Geschichte nicht kennt. In den moldauischen Schulen wird die rumänische Geschichte unterrichtet. Das Land ohne Geschichte sei ein dem Untergang geweihter Staat, sagen die Gelehrten. Der Chef des Lehrstuhls für Vaterlandsgeschichte der Pridnestrowischen Staatlichen Universität, der Professor Nikolaj Babilunga merkte an, ich zitiere: „In allen Staaten wird die Geschichte des jeweiligen Landes unterrichtet: in Frankreich die französische Geschichte, in England die englische, nur in Moldau kennen die Menschen ihre Geschichte nicht, weil sie ihnen nicht beigebracht wird. Diese Politik, die schon binnen der 15 Jahre geführt wird, strebt nach der Zukunft und verfolgt ein ganz bestimmtes Ziel. Die junge Generation Moldaus soll ihre Identität verlieren und sich die rumänische Identität nehmen. Binnen der Unabhängigkeitsjahre hat Moldau seine Nationalidee nicht schaffen können. Zwar gab es in Kischinjow genug Gelehrte, die versucht haben, die Nationalidee zu formulieren, aber sie sind heute in Vergessenheit geraten. Im Grunde der Staatspolitik liegt eine andere Idee, die in Bucharest erarbeitet worden war. Laut dieser Idee habe das moldauische Projekt keinen Platz. Der Direktor der pridnestrowischen Filiale des Rates der Nationalstrategie Russlands, der Doktor für Soziologie Dmitrj Soin hat gesagt, zwar sei es ein Paradoxon, aber vor allem die russischsprachigen Historiker und Politologen hätten sich mit dem moldauischen Nationalprojekt beschäftigt. Sie hätten verstanden, dass das Schicksal der russischsprachigen Bevölkerung nach der Vereinigung Moldaus mit Rumänien sehr schwer sein werde. Da die russischsprachigen Gelehrten sich sorgen für ihr Schicksal gehabt hätten, seien sie mit der Idee des Moldovenismus eingetreten. So seien die Arbeiten erschienen, in denen die sozialkulturelle und geopolitische Basis der Existenz des unabhängigen Staates Moldaus begründet worden sei. Aber in der Tatsache hätte die moldauische Nationalelite in die rumänische transformiert, sie habe begonnen nach rumänischer Art zu denken und die Idee des Rumänismus durchzusetzen. Sie sei von einem bedeutenden Teil der geistlichen unterstützt worden, die aktive Durchsetzung der rumänischen orthodoxen Kirche in Moldau sei eine Bestätigung dafür. Deswegen gehöre die Initiative in Bessarabien den prorumänischen Kräften die russisch-orientierten Kräfte weichen aus und bald werde diese Ausweiche in eine panische Flucht ausarten. Viele Jahre lang haben die rumänischen Mächte ihre Elite in Moldau erzogen. Die begabtesten Moldauer wurden auf Rechnung des Staates in Bucharest gelehrt. Das war eine gute Investition. Heute sind meistens die Rumänen die Leiter in Moldau. In ihrem Bewusstsein gibt es überhaupt kein Moldau, es gibt nur Grossrumänien in der nächsten Zukunft. „Die Dutzende von Tausenden moldauischen Kinder werden nach Rumänien zum Studium geschickt, wo sie ein eine bestimmt Gehirnwäsche bekommen, sagt der Professor Nikolaj Babilunga und setzt fort: ich kenne viele Fälle, wenn es in Familien Konflikt zwischen der alten und neuen Generation gibt, weil die Kinder ihren Eltern sagen, dass sie quasi von der alten Propaganda verdorben seien und nicht verstünden, dass sie die Rumänen seien und dass es überhaupt keine Moldauer gegeben habe, dass die Moldauer von Stalin erfunden worden seien. Und wenn die Eltern sagen, dass Stefan der Grosse sich nicht für einen Rumänen gehalten habe, antwortet die neuen Generation, dass er das auch nicht verstanden habe. Das heisst die Bildung das öffentliche Leben und andere Bereiche werden allmählich rumänisiert. Ob wir wollen oder nicht, aber die Rumänisierung wird ihre Früchte irgendwann geben. In der letzten Zeit ist in Moldau ein neuer Aufruf erschienen „Mit Rumänien in die EU“. Für das arme Moldau ist es eine magische Losung. Für moldauische Bürger ist Europa die Möglichkeit, eine Arbeit zu finden, Europa ist für ein Synonym für das reiche Leben. Seit dem neuen Jahr ist die EU ganz daneben – hinter dem Fluss Prut. Sie zu berühren ist nicht schwer, es würde genügen, ein Rumäne zu werden. Jene, die noch gestern die Frontisten von Roschka getadelt haben und über die moldauische Nation sprachen, stehen jetzt in Schlangen nach dem rumänischen Pass an. Dmitrij Soin merkte an, zwar habe man für Roschka 10-12 % votiert, aber es sei in der Zeit gewesen, wo ein Moldauer Rumänien mit einem armen und drittklassigen Land in Europa assoziiert habe. Derzeit ändere sich die Situation schnell, weil Rumänien ein EU-Mitglied geworden sei. Rumänische Staatsbürgerschaft ermögliche es, die Arbeit in Europa zu erhalten. Was heisse es für den moldauischen Alltagsmenschen? Es heisse ein Lohn von 600 bis 1000 Euro , was im eigenen land absolut unreal wäre. Das bedeute auch eine grössere Bewegungsfreiheit als bei einem moldauischen Bürger und letztendlich heisse es das Gefühl, zu einem grossen europäischen Projekt zu gehören, dem Rumänien beigetreten sei. Alle diese Umstände hätten die Vorstellungen über Rumänien völlig geändert und das Ansehen dieses Staates in der öffentlichen Meinung Moldaus sehr erheben lassen. Das rumänische Ansehen hat im bessarabischen Bewusstsein nicht nur aus diesem Grund stark zugenommen. In den letzten Jahren hat die moldauische Gesellschaft das Wichtigste verloren – den Glauben an ihr Land. Die Milliarden von Schulden, die zerstörte Wirtschaft und bestechliche Macht: wofür braucht man so ein Staat? Die Wissenschaftler sagen, am traurigsten für Moldau sei das Volk, das keine Perspektiven sehe.

Radio PMR Archiv: Die Nachrichten fĂĽr den 17. Januar 2007

Posted in Radio PMR Transskripte von admin am 17. Jan. 2007
  • Polizei-Provokationen von Moldau

  • Neues Internetportal fĂĽr Abchasien und SĂĽdossetien und PMR

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Das Ende der vorigen Woche wurde durch die neuen Spannungen in den Beziehungen zwischen Moldau und Pridnestrowien gekennzeichnet. Am 12. Januar hat die moldauische Seite einen grossen Konflikt in der Sicherheitszone provoziert. Die Polizisten Moldaus haben versucht, die strategische Autobahn Dubossary-Kamenka unter ihre Kontrolle zu bekommen, die sich neben der moldauisch-pridnestrowischen Grenze befindet. Die moldauische Seite hat auf der Autobahn neben der Dorf Kotschijery den Polizeiposten aufgestellt, die die PMR-Grenze faktisch verletzt hat. Die pridnestrowische Seite hat die angemessenen Massnahmen getroffen – zur Autobahn wurden die zusätzlichen Polizeikräfte der PMR hingebracht. Von beiden Seiten wurden insgesamt etwa 100 Polizeimitarbeiter in den Vorfall hineingezogen. Zum Konfliktort sind die Militärbeobachter umgehend angekommen, in Dubossary wurde die Extrasitzung der VKK durchgeführt. Die Sitzung hat bis vier Uhr morgens gedauert, aber das Problem wurde jedoch nicht gelöst. Am 13. Januar hat der PMR-Präsident Igor Smirnow die Extrabesprechung mit den Leitern der Ministerien und Ämter des Gewaltblocks durchgeführt. Es wurde der Vorfall erörtert, der in der Sicherheitszone im Abschnitt der Autobahn Dubossary-Rybniza neben dem Dorf Kotschijery passiert war. Über den aktuellen Stand der Dinge und die Entwicklung der Ereignisse hat der pridnestrowische Innenminister Wadim Krasnoselskij berichtet. Unter anderem hat er angemerkt, am 12. Januar habe der Chef der Dubossaryer Bezirksabteilung der Inneren Angelegenheiten um elf Uhr Vormittag davon berichtet, dass die moldauische polizeiliche Autopatrouille sich zur Autobahn Dubossary-Rybniza begeben habe und sich dem pridnestrowischen Polizeiposten genähert habe, der in diesem Bezirk binnen der jüngsten drei Jahre Dienst geleistet habe. Dies sei eine Dorfsstrasse, die sich fünf Kilometer entfernt von Dubossary befinde und zum Dorf Kotschijery führe. Die Polizeimitarbeiter hätten sich herausfordernd und frech verhalten. Ihr Ziel sei gewesen, die Autobahn Dubossary-Rybniza unter ihre Kontrolle zu bringen, alle Vorschläge, den Konflikt friedlich beizulegen und den Posten aufs Territorium von Kotschijety zurückzustellen, seien abgelehnt worden. Von diesem Vorfall sei die Militärführung und der Militärkommandant benachrichtigt worden, die sich auf den Weg zum Objekt gemacht hätten und die Versuche unternommen hätten, die Situation durch friedliche Mittel zu lösen. Die Verhandlungen hätten aber resultatlos geendet. Die moldauische Seite habe darauf bestanden, dass diese Territorien dem moldauischen Bezirk Kotschijery gehört hätten und dass es der moldauische Boden sei, der ganze pridnestrowische Boden befänden sich von der Autobahn Dubossary-Rybniza und weiter zur Ukraine, beendete der PMR-Innenminister Wadim Krasnoselskij. In der gebildeten Situation wurde der Beschluss gefasst, den moldauischen Posten tief ins moldauische Territorium hinein, auf 700 Meter zum Ausgangpunkt zurückzuschieben, der in den jeweiligen Vereinbarungen festgeschrieben worden sind. Um die Eskalation der Spannungen zu vermeiden, wurden die Polizeimitarbeiter der Dubossaryer Bezirksabteilung der Inneren Angelegenheiten zum Vorfallsort gebracht, die Grigoriopoler Bezirksabteilung der Inneren Angelegenheiten, die Unfallsrettungseinheit der Stadt Dubossary und das Zollamt wurden mit Alarm bereitgestellt. Zum Vorfallsort sind die Vertreter von allen vier Seiten der VKK und der OSZE eingetroffen. Der stellvertretende Innenminister der Republik Moldau, Unteroberst Sergej Golowatsch, der das Mitglied der VKK von der Republik Moldau ist, hat sich kategorisch verweigert, Kompromisse zu schliessen und hat erklärt, der ganze Boden von der Autobahn Dubossary-Rybniza sei das Eigentum Moldaus. Während der vor Ort aufgenommenen Sitzung der VKK hat die pridnestrowische Seite eine Reihe der Massnahmen vorgeschlagen, die die Entspannung der gebildeten Lage bezweckt haben. Der pridnestrowische Innenminister kündigte an, es sei ein vernünftiger Vorschlag gewesen, der von der russischen Seite unterstützt worden sei. Aber die moldauische Seite habe begonnen zu zweifeln, es hätten die Anrufe angefangen, aus Kischinjow sei der Befehl gekommen, auf keine Vereinbarungen einzugehen und keine Kompromisse zu schliessen, all das sei das moldauische Territorium. Der pridnestrowische Präsident hat sich den Berichten von anderen Gewaltministern angehört und ihre Vorschläge registriert. Die Schlüsse der Besprechung zusammenfassend hat der Staatschef Pridnestrowiens betont, bedauerlicherweise habe Moldau trotz der vorläufigen Stille nicht aufgehört, zu versuchen, das pridnestrowische Territorium einzunehmen. Dieses Problem benötige eine aufmerksamere Berücksichtigung von der Seite des Staates, insbesondere von den Ministern des Gewaltblocks. Igor Smirnow sagte, ich zitiere: Wir haben begonnen, die Drohungen von der Seite Moldaus etwas leichtsinnig zu behandeln, das betrifft nicht nur Provokationen, sondern auch die strategische Entwicklung. Im Grunde genommen sind ihre Handlungen der Versuch, das Territorium zu besetzen.

Am Samstag wurde die Situation für eine Zeitlang beigelegt. Die Spannungen haben nachgelassen, weil der VKK endlich gelungen war, die Entscheidung zu treffen. Laut dem unterzeichneten Abkommen wird der provisorische Posten der gemeinsamen friedensstiftenden Kräfte am Vorfallsort aufgestellt. Die Mobilgruppe der Militärbeobachter wird das Territorium patrouillieren. Das wird ermöglichen, die Situation zu normalisieren und die Entstehung der neuen Vorfälle zu verhindern. Am Abend hat der Aussenminister der PMR Walerij Lizkei in der Sitzung des Präsidenten über die Gründe des entstandenen Konflikts berichtet. Nach seiner Meinung habe die von Moldau geplante Aktion einen rein politischen und propagandistischen Charakter. Moldau habe sehr gefallen, den früher entstandenen Vorfall um das Dorf Dorozkoje zu benutzen. Damals sei ihnen gelungen, die Arbeit der VKK für anderthalb Jahre zu hemmen und die Propaganda für den Schutz der Bauern so zu organisieren, dass sie auf dem internationalen Niveau davon ganz ruhig zu profitieren. Der Chef des pridnestrowischen Aussenpolitischen Amtes hat auch angemerkt, derzeitige Aktion sei eine „Federprobe“ gewesen, es sei die Widerstandsfähigkeit aller beteiligten Seiten getestet, nicht nur die von Pridnestrowien, sondern auch die von Russland und der OSZE. Es sei bemerkt, dass Moldau das Problem mit dem Bedürfnis verschärft hat, die Grundstücke zu schützen, die seinen Bauern gehören ,aber sich zugleich auf dem pridnestrowischen Territorium befinden. Laut der angegebenen Information wurden aber keine neuen Verträge für die Ackerbebauung mit den Bauern abgeschlossen.

Im Hinblick auf die Provokation, die von der Führung Moldaus in der Sicherheitszone am 12. Januar organisiert wurde, hat das Aussenministerium der PMR die offizielle Erklärung abgegeben. Darin ist festgeschrieben worden: die Führung der Republik Moldau führt die aktive Politik weiterhin durch, die den Bruch des existenten Formats der friedensstiftenden Operation zum Ziel hat. Die Instrumente dieses Kurses sind der Informationsdruck, die Ansprache an die dritten Seiten mit den Aufrufen, die Handlungen der moldauischen Mächte zu unterstützen, sowie die permanenten Aktionen, die gegen den friedensstiftenden Mechanismus gerichtet werden. Am 12. Januar 2007 haben die Rechtsschutzorgane der Republik Moldau die nächste Provokation in der Sicherheitszone verwirklicht. Neben der Pumpenstation „Dubossary-6“ wurde der Versuch unternommen, einen Polizeiposten aufzustellen und die Autobewegung auf der Autobahn Tiraspol-Rybniza zu blockieren, was das Arbeitsregime der Rechtsschutzorgane der Seiten gestört hat, das in der Sicherheitszone festgelegt wurde. Die Polizisten der Republik Moldau haben herausfordernd und aggressiv weiterhin gehandelt, sie haben versucht, die Dorfleute vom unter der Jurisdiktion der Republik Moldau stehenden Dorf Kotschijery des Dubossaryer Bezirks aufzuhetzen, sich an den provokanten Handlungen mit zu beteiligen. Nur die ausgewogenen und gelassenen Handlungen der Rechtsschutzstrukturen Pridnestrowiens haben es verhindert, dass die Situation sich in einen offenen Widerstand verwandelt hat, worum sich die moldauische Seite eigentlich bemüht hat. Ausserdem hat auch der friedensstiftende Mechanismus operativ und klar reagiert, in dessen Rahmen die Aussensitzung der VKK durchgeführt wurde, wo die pridnestrowische Seite eine optimale Variante der Situationsbeilegung, die von allen Delegationen in der VKK ausser den moldauischen Vertretern akzeptiert wurde. In diesem Zusammenhang verurteilt das Aussenministerium der PMR die einseitigen Handlungen der moldauischen Mächte, die den Frieden und die Stabilität in der Region und in erster Linie in der Sicherheitszone stören können. Wir beurteilen solche Handlungen als einen nächsten Versuch, die Lage zu destabilisieren, um die Krise in den moldauisch-pridnestrowischen Beziehungen zu vertiefen und das derzeitige Format der friedensstiftenden Operation in Verruf zu bringen. Die pridnestrowische Seite wendet sich an die Weltgemeinschaft und vor allem an die Nachbarschaftsländer mit dem Aufruf, die Handlungen der Republik Moldau objektiv einzuschätzen. Das Geschehene hat plausibel nachgewiesen, dass der friedensstiftende Mechanismus einschliesslich der Arbeit innerhalb der VKK nach wie vor der Schlüssel zur Aufrechterhaltung des Friedens und der Stabilität sowohl in der Sicherheitszone, als auch in den Beziehungen der Seiten ist. Wir rufen Russland und die Ukraine auf, die notwendigen Massnahmen zu treffen, um die Operation für die Aufrechterhaltung des Friedens in ihrem derzeitigen Format zu festigen. Dabei behalten sich die pridnestrowischen Machtorgane das Recht, auf beliebige Eingriffe in die Rechte der Bürger der PMR und ins Territorium Pridnestrowiens adäquat zu reagieren.

Das russische Aussenministerium hat seine Besorgnisse um den Vorfall geäussert, der von der moldauischen Polizei neben der Stadt Dubossary am 12. Januar provoziert wurde. Alles, was in der Sicherheitszone der friedensstiftenden Operation in Pridnestrowien passiert, ist vom Standpunkt der Aufrechterhaltung der Stabilität in der Region und der Fortsetzung der Bemühungen bei der politischen Konfliktsbeilegung sehr wichtig, wird im Kommentar der Abteilung für Informationen und Druck des russischen Aussenministeriums bezüglich des Vorfall in der Sicherheitszone der friedensstiftenden Operation in Pridnestrowien festgeschrieben. Aus diesem Grund hat man in Moskau die Berichte über den entstandenen Widerstand neben der Autobahn Dubossary-Rybniza wahrgenommen, an dem eine grosse Zahl der Vertreter der Rechtsschutzorgane der Konfliktseiten teilgenommen haben. Am russischen Aussenpolitischen Amt hat man die Wichtigkeit davon hervorgehoben, dass es gelungen sei, die Situation dank den operativen Handlungen der Friedensstifter sowie Dank den Beschlüssen der VKK unter Kontrolle zu bekommen.

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nnerhalb der Gemeinschaft „Für Demokratie und Völkerrechte“ wurde die Informationsressource von drei Republiken geschaffen. Wir erinnern, am 14. Juno 2006 haben die Präsidenten dreier Republiken Abchasiens, Pridnestrowiens und Südossetiens die Gemeinschaft „Für Demokratie und Völkerrechte“ gegründet. Der sich verstärkende Druck auf die Republiken hat sie bewogen, ihre Bemühungen im Kampf für die Unabhängigkeit und internationale Anerkennung zu vereinen. Unter den ersten Vereinbarungen hat der Beschluss, die Zusammenarbeit im Informationsbereich zu intensivieren, einen wichtigen Platz. Nach dem Gipfel der Präsidenten wurden die ersten Massnahmen für die Etablierung der gemeinsamen Informationsstrukturen der neuen internationalen Organisation getroffen und nach dem turnusmässigen Treffen, das am 17. November 2006 stattgefunden hat, hat man diesen Massnahmen den praktischen Impuls gegeben. Igor Smirnov, Sergej Bagapsch und Eduard Kokojty haben sich abgestimmt, die Arbeit des Informationszentrums durch dreiseitige Förderung zu entwickeln, das innerhalb des Vollzugskomitees der Gemeinschaft „Für Demokratie und Völkerrechte“ funktionieren wird. Die Vertreter von drei Republiken werden im Rahmen des Informationszentrums zusammenarbeiten. Die erste Arbeitsetappe des neulich gestifteten Zentrums war die Eröffnung des Informationsportals dreier Republiken. Das ist also die offizielle Netzseite der Gemeinschaft „Für Demokratie und Völkerrechte“. Neben den vielseitigen Auskunft erteilenden Informationen hat das Zentrum die Materialien, die von den führenden Nachrichtenagenturen der Republiken und ihrer staatlichen Machtorgane gewährt werden. Dadurch kann sich der Besucher dieser Internetseite einen detaillierten Einblick ins politische, wirtschaftliche und öffentliche Leben aller Mitgliedsländer der Gemeinschaft verschaffen. Nebenbei verfolgt die Redaktionsgruppe der Netzseite permanent die Erscheinung der Infos von internationalen Massenmedien und bietet dem Leser die jüngsten Artikel und Berichte über den aktuellsten Stand der Dinge um die Gemeinschaft „Für Demokratie und Völkerrechte“, die sich unter komplizierten und dynamisch wechselnden Bedingungen der internationale Lage entwickeln müssen. Die Netzseite hat die Erreichung einer hohen Interaktivität zum Ziel. Dafür enthält die Struktur der Netzseite das Kapitel der Fragen und Antworten, wo man die Fragen über die aktuellsten Probleme an die hochgesetzten Amtspersonen der Republiken und der gemeinsamen Gemeinschaftsinstitutionen stellen kann. Die ständige Internet-Adresse der neuen Netzseite lautet www.community-dpr.org.

Radio PMR Archiv: Die Nachrichten fĂĽr den 15. Januar 2007

Posted in Radio PMR Transskripte von admin am 15. Jan. 2007
  • Erste Sitzung der VKK

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Die im Jahre 2007 erste Sitzung der Vereinten Kontrollkommission (VKK) hat am 11. Januar in der Stadt Bendery stattgefunden. Die Delegationen haben die Berichte der Vereinten Militärführung besprochen, die sich in der Zeit der Neujahrsferien vom 28. Dezember bis 10. Januar angehäuft haben. Die Lage in der Sicherheitszone wurde für kontrollierbar befunden, es wurden keine bewaffneten Formierungen, keine neuen Militäreinheiten, keine Militärtechnikbewegung sowie keine Befestigungsarbeiten aufgewiesen. Die registrierten Vorfälle wurden zu der Kategorie der unwichtigen gezählt. In der Stadt Grigoriopol wurden drei alte Handgranaten gefunden, ein Einwohner des Dorfes Kriuljany hat das 152 Millimeter lange Artilleriegeschoss und die Gegenpanzermine der Zeiten des 2. Weltkrieges in seiner Garage zufälligerweise freigelegt. Ein Einwohner des Dorfes Kinzkany hat ganz vor dem Neujahr 58 Maschinengewehrpatronen entdeckt und der Verwaltung für Innere Angelegenheiten der Stadt Bendery übergegeben. Das Neujahrsfest aber wurde im Bericht durch einen nicht ganz angenehmen Vorfall registriert. Am 1. Januar hat ein betrunkener Bürger versucht, am Posten der Friedensstiftenden Kräfte in Dubossary eine Schlägerei mit den Friedensstiftern zu machen, die gerade ihren Dienst am Posten geleistet haben. Die Behandlung der Berichte war ziemlich konstruktiv. Zwei aus drei Berichten wurden registriert und die Besprechung des 3. Berichts wird in der nächsten Sitzung erfolgen. Der nicht angenommene Bericht hat die Lage in der Sicherheitszone in der Zeit vom 18. bis 26. Dezember behandelt. Am 26. Dezember wurde die Munition in Anwesenheit von Militärbeobachtern vernichtet, die in der Stadt Dubossary vor einigen Monaten beschlagnahmt wurde. Die Vereinte Militärführung hat natürlicherweise davon gewusst. Die Beschlagnahme dieser Munition wurde von der VKK binnen in einigen Sitzungen erörtert und jetzt hat die moldauische Delegation es verlangt, die Akte der Munitionsvernichtung zu zeigen, die sich im Archiv der Vereinten Militärführung befindet. Als der russische Kommissionsvertreter Wiktor Schanin vor den Journalisten erschien, nachdem er den Sitzungsraum verlassen hatte, hat er den Einwohnern der Sicherheitszone zum Neujahr, Weihnachten, sowie dem kommenden Neujahr alten Stils, er wünschte allen Erfolg, Glück, Gesundheit und alles Beste und Gute in der Zukunft. Wiktor Schanin hat die Sitzung folgendermassen eingeschätzt: alle Delegationen haben alle zu besprechende Fragen flexibel behandelt. Man hat gespürt, dass jede Delegation gestrebt hat, die Berührungspunkte zu finden. Zwar gab es Streite und Debatten, aber die Spannungen waren bei weitem nicht so wie früher und das war gut. Es gab eine Diskussion und das ist die Hauptsache. In Bezug auf die Gründe der Nichtannahme des Berichtes der Vereinten Militärführung über die Zeit vom 18. bis 26. Dezember hat Wiktor Schanin gesagt, sie seien rein technisch. Der russische Diplomat sagte, ich zitiere: „Jene Probleme, die wir heute gelöst haben, betreffen die Kontrolle über die Situation in der Sicherheitszone in keiner Weise. Es sind rein technische Fragen, die umgehend gelöst werden. Der Vorsitzende in der VKK von Pridnestrowien Alexander Poroschan meint, die erste Sitzung im Jahre 2007 habe gezeigt, dass die Delegationen die Vorräte an Kompromissen noch nicht verbraucht hätten: trotz einiger Kleinigkeiten in Berichten sei die Situation ganz kontrollierbar. Die moldauische Delegation habe natürlich versucht zu zeigen, dass irgendwelche Störungen passiert seien, aber die Vereinte Militärführung habe gebührendermassen agiert und diese Situation selbstständig beigelegt. Alexander Poroschan hat darauf aufmerksam gemacht, dass es misslungen sei, solche wichtigen Fragen zu betrachten wie: die Aufstellung des Postens an der rechten Seite des Kraftwerksdammes in Dubossary sowie die Ansprache an die Leiter der Rechtschutzorgane der Seiten, aber er hat seine Sicherheit daran zum Ausdruck gebracht, dass die VKK die jeweiligen Beschlüsse in Zukunft treffen können werde.

Reiseblog Transnistrien 07 - Letzte Worte aus Pridnestrowien

Posted in Transnistrien Reise Blog von admin am 12. Jan. 2007

Es ist jetzt 16:40, ich sitze im Internet Cafe und habe den letzten Arbeitsauftrag erledigt. Ich stehe noch etwas neben mir, auch neben den ueberaus intensiven Erlebnissen dieses Tages. Andrey und ich trafen auf Mitglieder des Vereins der Frauen von Pridnestrowien. Es ist eine Vereinigung von den Witwen und Muettern, deren Soehne im Krieg von 1992 gegen Moldau getoetet wurden. Ich sass einer Frau gegenueber, die ihren Mann verloren hat, Moldauer haben ihn mit Benzin uebergossen und verbrannt. Dann eine Frau, die einen Sohn verloren hat und sichtlich Schwierigkeiten hatte, ihre Geschichte zu erzaehlen. Dann noch ein Soldat, dem sein Bein weggeschossen wurde. Wir sprachen zweieinhalb Stunden, die drei erzaehlten mir ihre Lebens- und Leidensgeschichte. Sie waren mir gegenueber sehr offen, so wie ich ihnen. Es war erschuetternd, wie sehr sich vor allem die beiden Frauen wuenschten, aller Welt von dieser Ungerechtigkeit zu erzaehlen, es wie eine sagte, sich auch von der Seele weg zu reden. Auch noch 15 Jahre spaeter. Als wir dann gingen waren Andrey und ich wie betaeubt. Die Frau, die ihren Sohn verloren hatte, erinnerte sich, dass sie mit Andreys verstorbene Mutter gearbeitet hatte, dass sie Andreys Bruder gut kannte. Andrey und die Frau kannten sich zuvor nicht und plauderten ein Weilchen. Spaeter meinte Andrey, dass ihm in diesen Moment bewusst wurde, dass das Buch und all die Interviews und Portraits, die wir gemacht haben, dass all dies ihn persoenlich etwas anging, das dies ein Teil von ihm war. Dass dieses Buch auch fuer ihn sehr wichtig geworden war.

Julia, Andreys Freundin und Stiefvater beim Feiern. Hier spricht Radio PMR. Nachrichten aus Transnistrien - Pridnestrowien - Kollektiv Fischka - Marcell NimfĂĽhr - Kramar - Andrey Smolensky

Andrey und der Schauspieler Artjom posieren. Hier spricht Radio PMR. Nachrichten aus Transnistrien - Pridnestrowien - Kollektiv Fischka - Marcell NimfĂĽhr - Kramar - Andrey Smolensky

Wir hasteten zu einem schnellen Mittagessen und kamen etwas zu spaet zu unserem Treffen mit einer der engsten Ratgeberinnen und Vertrauten des Praesidenten Smirnow. Wir trafen sie im Gebaeude des obersten Rates, also dem Regierungspalast. Kaum Sicherheitsvorkehrungen, keine Begleitung zu ihrem Buero. Wir wanderten einfach allein durch den Palast, fuhren in den fuenften Stock, betrachteten kurz die Aussicht und betraten dann eines der Bueros, in dem pridnestrowische Politik gemacht wird. 30 Minuten Interview, ein paar Fotos. Raus aus dem Parlament, rueber zum Pionierpalast. Alles in 5 Minuten Gehdistanz. Die Kinder-Tanzgruppe besuchen, die Ksjuscha leitete. Ich tollte mit den 9-11jaehrigen Kindern herum und haderte bei den Proben wie immer mit dem Licht. In der PMR ist die 100 Wattbirne aus Sparsamkeitsgruenden noch nicht angekommen. Irgendwann verabschiedete ich mich und ging hinaus. Die letzten zweieinhalb Wochen waren lustig und anstrengend, intensiv und spannend, manchmal frustrierend, manchmal erfolgreich. Jetzt wuensche ich mir nur mehr, nach Hause zu fahren, gut zu duschen, zu essen, zu schlafen.

Stahlhart

Posted in Transnistrien Reise Blog von admin am 11. Jan. 2007

Wow, die letzten zwei Tage waren anstrengend. Von meiner Arbeitsliste waren zwei zentrale Punkte offen, von denen ich nicht wirklich erwartet hatte, dass sie sich erfüllen würden. Wenn doch, dann wäre es ein Bonus auf dieser Reise gewesen. Das erste war ein Portrait des Präsidenten zu machen. Das hat sich nicht erfüllt. Das zweite war der Wunsch, das berüchtigte Stahlwerk von Rybnitsa zu besuchen. Dieses Stahlwerk gilt zumindest als eines der besten der ehemaligen Sowjetunion, es ist Westen hochgeschätzt als Spezialist für Spezialdrahtseile. Man könnte sagen, dass ist das einzige Transnistrische was wirklich besten westlichen Standard entspricht. Nebenbei behaupten verschiedene westliche Quellen, dass in unterirdischen Hallen die weltweit größte illegale Kalaschnikow-Fabrik untergebracht sei. Natürlich hat noch niemand selbige gesehen. Es ist nicht das einfachste, dort Zugang zu erhalten. Alle Versuche von Andrey, über Kontakte da rein zu kommen, waren gescheitert. So blieb uns nichts anderes übrig, als einfach hinzufahren, anzuklopfen und freundlich „hallo“ zu sagen und „könnten wir bitte eine Werksführung bekommen.“ Es ergab sich, dass Andreys hochgeschätzte Freundin Julia aus Rybnitsa stammt und ihrer Familie dort wohnt. Sie war Feuer und Flamme, mit uns dorthin zu fahren und uns in ihrem Elternhaus zu beherbergen.

Wir hatten uns das Taxi von Dima unserem ständigen Fahrer organisiert und sind die 120km nach Norden gefahren. Auf dem Weg habe ich diverse sowjetische Monumente abgelichtet, ein Polizist hat wegen überhöhter Geschwindigkeit 10 Rubel abgeknöpft. Schwarz versteht sich. Offiziell wären es 25 gewesen. In Rybnitsa fuhren wir zum Stahlwerk, wo uns ein Mann der Öffentlichkeitsarbeit empfing und meinte: „So so, ihr wollt also einfach mal das Werk sehen. Und da kommt ihr einfach so vorbei. Und habt auch nur bis morgen Zeit. Hm.“ Dazwischen nickten wir wie anständige Schüler. „Nun gut. Ich werde es der Führung mitteilen, die wird entscheiden. Für mich bedeutet das Arbeit. Ob die Führung nun ja sagt, oder nicht. Ich rufe euch an.“ Andrey war skeptisch. Ich meinte salomonisch: „Wir haben alles in unserer Macht stehende unternommen, um zum Ziel zu gelangen. Ab jetzt liegt es nicht mehr in unserer Hand. Wir brauchen uns also keine Gedanken mehr zu machen.“ Abends verbrachten wir mit Julias Stiefvater, die sich sehr freute, jemanden zu haben, dem er seinen selbstgebrannten Samagon (Hochprozentschnapps) einflößen konnte, nämlich mir. Gut in Öl erhielten wir den Anruf, dass wir morgen um 9:30 Uhr bitte beim Werk erscheinen sollten. Das hat mich gerettet. Ziemlich betrunken konnte ich darauf pochen, dass morgen ein wichtiger Tag wird und ich fit sein sollte.

Tja, was soll ich sagen. Wir haben tatsächlich eine Führung durchs Werk bekommen. Und weil zu jedem kleinen Glück auch ein kleines Pech dazugehört, war der Hochofen grade kaputt und die Fotos, die ich machen konnte, waren bei weitem nicht so spektakulär, wie ich es mir erhofft hatte. Ich muss zusätzlich zu meiner Schande estehen, dass ich nicht nach den illegalen Waffen gefragt hatte. Vielleicht hätten sie gemeint: „Ja, klar, einfach durch diese Tür, die Treppe runter und dann kannst du es nicht mehr verfehlen. Und bitte noch entweder die rote oder die blaue Pille schlucken.“

Von Marcell NimfĂĽhr , Fischka

Nachtrag zur Registrierung

Posted in Transnistrien Reise Blog von admin am 9. Jan. 2007

Kramar wuerde sagen: Das gute an Pridnestrowien ist, dass es hier immer ein Problem gibt und immer eine Loesung. Wir gingen die Registrierung nachzuholen. Auf dem Amt meinte der Amtsschimmel, dass ich mich am ersten Tag registrieren haetten lassen sollen, egal, was man auf dem Amt erzaehlt hätte. Und dass ich jetzt gerade straffaellig geworden bin. Ich koenne entweder mit dem Amtsleiter diskutieren oder die Strafe von 26,85 Rubel (2,5 Euro) zahlen. Ich sagte: scheiss drauf, ich zahle. Die Amtstante meinte, das sei bei einem anderen Amt zu bezahlen. Ich meinte, ok, wir wollen mit dem Leiter diskutieren. Dessen Sekreterin meinte, er sei in Besprechung, das koenne Stunden dauern. Wir gingen zahlen. Zurueck am Amt meinte Andrey zur Buerokratiemeisterin ob sie uns denn jetzt bedienen werde. Die Dame antwortete mit eisigem Blick: Wir bedienen hier niemanden, wir registrieren.

Von Marcell NimfĂĽhr , Fischka

Altes Neujahr

Posted in Transnistrien Reise Blog von admin am 9. Jan. 2007

Wußtet ihr, dass die berühmte Oktoberrevolution von 1917, jene wo Lenin Russland vom Zaren befreite, gar nicht im Oktober, sondern in November stattgefunden hatte? Die ollen Russen hatten einfach einen anderen Kalender, der 13 Tage nachging. Ich merke mir nie, ob es der Gregorianische war und wir den Julianischen haben oder umgekehrt. Relativ bald hat die neugeschaffenen Sowjetunion (soweit ich das überblicken kann) auf unseren Kalender übergeschwenkt. Wichtig ist hier mal nur der Hinweis, dass dies schon lange her ist. Um so mehr ärgerte mich der Umstand, dass ich dieses Wochenende schon wieder zwei Tage des Arbeitens verlieren würde, weil die Pridnestrowier schon wieder feiern. Stari Novi God. Altes Neujahr. Weil die alten Russen am 13.1. Neujahr gefeiert haben. Wieder ein Grund, die Feiertage, die schon vor Ewigkeiten begonnen haben zu verlängern. Es gibt nicht mal mehr Menschen, die sich noch an die Zeit erinnern können, als man es original da feierte. Und wie hört sich das an? Altes Neujahr. Na was solls. Ich war etwas frustriert, dass in Pridnestrowien die Dinge langsamer gehen, das Termine die man sich ausmacht variabel sind und das einfach alles viel länger braucht. Ich dachte mir, daraufhin genehmige ich mir ein Luxus Dinner in einem der besten Restaurants, dem ukrainischen Spezialitätengasthaus Kumanjok, nach Bauerart dekoriert mit Kellnerinnen in Trachtenkleidern, mit Vodka und einem ganz ukrainischen Steak mit Bratkartoffeln. Nicht zu vergessen, dass zwei Musiker auf Geige und Zieharmonika „I just called to say I love you“ von Stevie Wonder und anschließend „Yesterday“ von den Beatles intonierten. Heul. In einem Restaurant dieser Klasse wird der Klassenunterschied der Pridnestrowier deutlich. Ich habe insgesamt 11 Euro bezahlt. Für Salat, Vorspeise, Hauptgang und zwei Vodkas. 11 Euro entspricht nach hieser Kaufkraft soviel, als wenn ich bei uns 110 Euro ausgegeben hätte. Dennoch ist es immer gut mit Einheimischen besucht.

Von Marcell NimfĂĽhr , Fischka

Eine Hymne auf die Hymne

Posted in Transnistrien Reise Blog von admin am 8. Jan. 2007

Heute morgen hatten Andrey und ich einen Interview-Termin bei Vitali Michailowitsch Woinow, Major des staatlichen Sicherheitsdienstes (also eheimdienst) sowie Leiter und Dirigent des Staatssicherheitsdienstlichen Militärorchesters. Witzig wars. Wir fuhren zum Stadtrand, ins Industriegebiet. Major Woinow hatte zu Andrey am Telefon gemeint, er würde uns zur Abholung ein Soldätchen schicken. Die ganze Marschrutkafahrt lang machten wir schmutzige Witze über griechische Knaben und ob wir nicht jeder von uns ein Soldätchen haben könnte. Major Woinow ist ein gastfreundlicher Mann, er lud uns in das renovierungsbedürftige Gebäude ein, wo sein Orchester die Proben abhält. Er bat uns in sein Büro und ließ ein Soldätchen Teewasser aufwärmen, stellte uns ein Törtchen hin, dass ein Muttchen eines Soldätchen handegstrickt hatte. Dazu jungen Hauswein, sauer und kohlesäurehaltig, den Gäste immer gern verlangten.

Es war so nett. Und wir waren so gut gelaunt. Der Major hat uns sogar Fragen beantwortet, die wir gar nicht gestellt hatten. Wir konnten kurz der Probe lauschen, ein Lied an die kleine grünen Männchen. Oder waren es die Männer in Grün? Jedenfalls sind Soldaten gemeint. Dann durfte ich noch zwei Soldätchen mit Flöte und Trompete fotografieren, das waren Zwillinge. Ehrlich, das war nicht der Hauswein, dass waren wirklich Brüder. Und dem guten Major fiel immer noch etwas interessantes ein, obwohl wir uns schon zweimal mit Dank verabschiedetet hatten. Der Hauswein hatte Andreys Lippen blau gefärbt. Manchmal muss man Opfer bringen. Es war so schönes Licht, aber ich musste mit Tunnelblick nach Hause, zu Sinnen kommen um fit für den nächsten Termin zu sein.

Geheimdienst-Dirigent Woinow. Hier spricht Radio PMR. Nachrichten aus Transnistrien - Pridnestrowien - Kollektiv Fischka - Marcell Nimführ - Kramar - Andrey Smolensky Ein Soldätchen. Hier spricht Radio PMR. Nachrichten aus Transnistrien - Pridnestrowien - Kollektiv Fischka - Marcell Nimführ - Kramar - Andrey Smolensky

Wichtiges über den Präsidenten, aufgezeichnet von Radio PMR

“Als Igor Smirnow darĂĽber sprach, wie er die Freizeit verbringt, fĂĽhrte er ein Beispiel an, ich zitiere: neulich war ich in Moskau und widmete mich dem Wassermotorsport. Igor Smirnow hat auch gestanden, dass er seine
Freizeit zu Hause dem Haushalt widme, der Präsident mache die Arbeit, mit der ihn seine Ehefrau belaste. Nach den Worten des Präsidenten sei die Arbeit an der Drehmaschine eines seiner Lieblingshobbys. Igor Smirnow erinnerte daran, dass er seine Arbeitstätigkeit mit der Handwerksschule begonnen habe und er habe es gern, etwas mit seinen Händen fĂĽr das Haus zu machen. Bekanntlich ist der Pridnestrowische Staatschef fĂĽr Volleyball und Schwimmen zu begeistern. Igor Smirmnow mag auch die Jagd.”

Von Marcell NimfĂĽhr , Fischka

Blumen und Cognac

Posted in Transnistrien Reise Blog von admin am 5. Jan. 2007

Die Pridnestrowier, a.k.a die Russen feiern Weihnachten wie gesagt nicht am 24. Dezember. Um mich gegenüber meinem Früheren Eintrag zu präzisieren feiern sie ihn weltlich an Silvester und kirchlich gemäß des orthodoxen Kalenders am 6.1. Was der Unterschied tatsächlich ist, vermag ich noch nicht zu erklären. Vielleicht weiß ich morgen mehr. Hat sich schon mal jemand gefragt, warum wir die Heiligen-Drei-Könige am 6. feiern? Wo wir doch unzählige Male gehört haben, dass sie zu Jesu Geburt erschienen sind, die wir ja 13 Tage vorher feiern. War das eine so lange Geburt? Wie auch immer. Der Nachteil des russischen Selbstverständnis ist, dass man hier vom 30. bis zum 6. durchfeiert. Das bedeutet für den einsamen Reisenden, dass neben Ämtern auch viele Restaurants gar nicht oder nur für Privatfeiern geöffnet sind. Ich bin in ein Restaurant gegangen, das voll beleuchtet war, wo zwei Kellnerinnen rumstanden die mich anschauten, als wäre ich ein Affe. Ich musste verschämt fragen, ob das Restaurant arbeite („roboti?“) um dann ein hingerotztes njet zu kriegen. Normalerweise sind die Russen Meister im langwierigen Umschreiben von einfachen Zuständen, aber hier hieß njet: „Wie kann man nur so dämlich sein und glauben, dass nur weil das Restaurant offen ist, es auch offen ist.“ Apropos Restaurant.
Es gibt hier keine Trinkgeldkultur. Das bedeutet, die Kellnerinnen haben relativ wenig Motivation, Gäste zu bedienen. 7-Tage-Regenwetter-Gesicht ist ganz normal. Auf Devotschka (Fräulein) nicht zu hören auch. Wenn man alleine am Tisch sitzt und Kaffee bestellt, fragen sie: wie viele? Die Putzfrauen schubsen einen beiseite, weil sie aufwischen müssen und wenn man das Besteck niedergelegt hat, dauert es 30 Sekunden bis man aufgefordert wird, die Rechnung zu begleichen. Kein Scheiß. Zuerst dachte ich, diese Betreuung gäbe es spezial für Ausländer, aber meine eingeborenen Freunde werden genauso behandelt. (Und ärgern sich auch darüber).
Vassja, der Maler. Hier spricht Radio PMR. Nachrichten aus Transnistrien - Pridnestrowien - Kollektiv Fischka - Marcell NimfĂĽhr - Kramar - Andrey Smolensky

Gestern Abend besuchten wir Vassja den Maler in seinem Atelier. Der knapp 50jährige erzählt glühend von seinen Begegnungen mit Kramar. Vor allem von jener, als Kramar ohne Andrey zu ihm kam und sie mangels gemeinsamer Sprache sich mit Händen und Füßen und Vodka verständigt haben. „Wollt ihr Tee oder was Hochprozentiges?“ fragt er uns. Tee bitte, sage ich. Daraufhin ein Hochziehen von Augenbrauen: „Ist er (Marcell) nicht wie Kramar?“ fragt Vassja. Andrey lacht. Dennoch entspinnt sich auch nüchtern ein hochinteressantes und dramatisches Gespräch über Kunst und die Welt. (Gut, dass ich mich jahrelang darauf vorbereitet habe). Maler ist hier ein Beruf wie jeder andere. Es ist hier auch üblich, sich ein Portrait malen zu lassen wenn man zur High Society gehört. Für 300 Dollar, Rahmen inklusive. Die Diskussion entspinnt sich um Vassjas Ansicht, dass Kunst, die keiner kauft, sinnlos ist. Das sei nicht sehr romantisch, meinte ich. Er lächelte mich wissend-resigniert an. Aber dann hab ich ihn doch erwischt. Zuerst zeigt er mir Stilleben mit Cognacflasche. Er erzählt, er habe da so Blumenzeugs gemalt. Kommendes Jahr wird die große Kvint-Cognac-Distillerie 100 Jahre alt. Da hat er nachträglich neben den Blumen jeweils eine Cognac Flasche hingemalt und hofft nun, es der Distillerie zu verkaufen. Gemäß der prdnestrowischen Mode malt er fotorealistisch. An der Wand hängt ein Bild von einer Straße mit Supermarkt. Schön gemalt aber irgendwie leblos. Dann zeigt er Portraits von schönen tiraspoler Mädchen (Machen wir mal eine Umfrage, warum Maler zu Maler werden) (Mädchen oder auch Fräulein sind hier alle Frauen bis zur Heirat). Die hat er nicht ganz so realistisch, mit mehr Kraft und Emotion gemalt. Ich sage ihm, dass diese Bilder viel stärker sind, als das Supermarktding. Mit leuchtenden Augen antwortet er mir: „Da ist auch mein Herz drin.“

In Planung. Hier spricht Radio PMR. Nachrichten aus Transnistrien - Pridnestrowien - Kollektiv Fischka - Marcell NimfĂĽhr - Kramar - Andrey Smolensky

Obwohl wir nur kurz ein paar Fakten für das Buch aufnehmen wollen, bleiben wir dann vier Stunden. Gemäß des armen Künstlers ist es in seinem Atelier ziemlich kalt. Ich hätte doch Vodka trinken sollen. Zum Schluss foto-portraitiere ich ihn. Das ist für den Maler ein Rollentausch, zuerst ist es ihm unangenehm doch dann findet er Geschmack daran. Sobald ich sein Mal-Licht (große Neonröhren) anmache, wir er aktiv und möchte in verschiedenen Licht-Schatten-Situationen fotografiert werden. Wir haben Spaß, er schauspielert wie Humphrey Bogart, doch gelegentlich blitzt dazwischen ein echterer Vassja auf. Mit ein bisschen Glück habe ich das auf Zelluloid.

Andreys Bruder Anton.Hier spricht Radio PMR. Nachrichten aus Transnistrien - Pridnestrowien - Kollektiv Fischka - Marcell NimfĂĽhr - Kramar - Andrey Smolensky

Nachtrag zur Wasserkatastrophe. Heute morgen kam Andreys 16jähriger Bruder Anton nach Hause und machte groĂźe Augen, wie es hier aussah. Ich erklärte ihm in russo-germano-englisch was passiert war und er deutete mir, dass wenn der Vater das sieht, dann… Also räumten wir zusammen, hängten die nassen, schon leicht
stinkenden Teppiche auf und machten klar Schiff. Auf einem Wandverbau stand ein riesiges Schaffel, bis zum Rand mit Wasser gefüllt. Wir schöpften, auf Stühlen stehend, mit Häferln ab. Dann hoben wir es mit aller Kraft herunter und verschütteten mindestens 50 Liter auf den Boden. Wir schimpften und bogen uns vor lachen.

Von Marcell NimfĂĽhr , Fischka

3.1. Wet Wet Wet

Posted in Transnistrien Reise Blog von admin am 3. Jan. 2007

Mein Aufenthalt ist wahrlich kein Entspannungsurlaub. Es soll dies der letzte Besuch vor dem Buch sein. So ist es mir zugefallen, zu versuchen, alle offenen Themen abzuarbeiten. (Ich schreibe schon ungefähr so gestelzt, wie Pridnestrowier reden). Die Aufgaben-Liste besteht aus 12 Dingen. Gesprächen, Portraits, Reportagen. Tja, Kramar hat mir eine Menge Arbeit übrig gelassen. Hatte ich bei der ersten Reise noch gefragt, was ich hier tun könne, so habe ich jetzt die Antwort darauf. Ich hatte Andrey diese Liste vorab geschickt, damit er schon vor meiner Ankunft Termine organisieren würde. Pridnestrowien ist nicht Afrika, dennoch ticken die Uhren hier anders. Für jeden Schritt vorwärts geht es auch wieder einen Schritt zurück. Gestern früh wollten wir den Palast der Pioniere besuchen, aber Ksjuscha, Andreys Kontakt war nicht wie vereinbart dort. Also müssen wir das wiederholen. Dann wäre zu Mittag das jährliche Gruppenfoto der Uniprofessoren (von denen Andrey einer ist) angestanden, aber es wurde kurzfristig wegen schlechtem Wetter abgesagt.

Pjotr Kurasch, der Chronist. Hier spricht Radio PMR. Nachrichten aus Transnistrien - Pridnestrowien - Kollektiv Fischka - Marcell NimfĂĽhr - Kramar - Andrey Smolensky Andreys Wohnung. Hier spricht Radio PMR. Nachrichten aus Transnistrien - Pridnestrowien - Kollektiv Fischka - Marcell NimfĂĽhr - Kramar - Andrey Smolensky

Abends hat dann wieder etwas geklappt. Wir haben einen Chronisten des Landes besucht, der in manischer Form Zeitungen, Bücher und Stammbucheinträge von berühmten und weniger erühmten ZeitgenossInnen sammelt. Sehr spannend und sehr irr. Irgendwann erzählt der gute, dass er ein neues Erziehungssystem entwickelt habe, dass ber niemand haben will. Es beruhe auf die Bibel und den Grundsatz der Vervollkommnung der Seele. Nicht neu sie das, habe man ihm gesagt. Dann erklärt er noch, dass sich Amerika mit Europa und Russland zusammentun sollte, um die globale Gefahr des Islam abzuwehren. Der Islam würde Europa erstören und dann Russland. Dann wäre Amerika alleine da. Wie gesagt, ein Schritt vor und einer Zurück.

Apropos Schlechtwetter. Andreys Wohnung ist im letzten Stock und die Decke ist leicht undicht. Vorgestern Nacht regnete es. Wir standen mitten in der Nacht auf und stellten Töpfe unter den tropfenden Bereichen der Decke. Soweit so gut. Gestern ging ein Sturm, es regnete und schneite wie irre, innen kürzester Zeit stand ganz Tiraspol unter Wasser und Schneematsch . Als ich Abends heimkam war niemand in der Wohnung. Andreys Bruder und sein Vater waren nicht da. Dafür liefen in zwei Zimmern und der Küche die Eimer über, die Teppiche waren pitschnass, dass Wasser tropfte nicht mehr von er Decke, es rann. Auf den Boden, auf die Möbel, auf die Betten. Da teilweise die Lichter nicht funktionieren, leerte ich im Dunkeln mit Taschenlampe Eimer um Eimer, versuchte die Böden zu trocknen und stellte jeden Kochtopf und sogar jedes Häferl zum Auffangen auf, darauf achtend, die Größe des Behälters der Tropfgeschwindigkeit anzupassen. Ich fuehlte mich wie in Das Boot. Pumpen! Dann evakuierte ich meine Sachen und Andreys omputer in das einzige trockene Zimmer. Andrey war bei seiner Freundin und telefonisch nicht zu erreichen. Ich schrieb ein SMS, dass seine Wohnung ziemlich nass sei. Gottseidank hörte der Regen in der Nacht auf, in der Früh waren fast alle Töpfe voll, aber nicht übergelaufen. Am Vormittag rief Andrey an und fragte mich, ob mein SMS ein Witz gewesen sei. Draussen schien die Sonne, die Strassen waren schon fast wieder wasserfrei. Wenn die Familie Smolensky wieder nach Hause kommt, werden sie sich fragen, was der verrueckte Österreicher getan hat, um die Wohnung derart zu verwüsten.

Von Marcell NimfĂĽhr , Fischka

novi godam – Happy New year

Posted in Transnistrien Reise Blog von admin am 1. Jan. 2007

Eigentlich hatte ich geplant, zu Silvester allein durch die Stadt zu ziehen und zu schauen, was sich so tut. Ich hatte mir eigens ein Zimmer im Hotel Aist genommen, um nicht in der Nacht zu Andreys Wohnung am Stadtrand zurückkehren zu müssen. Das öffentliche Neujahrsfest ist sichtlich für die Reichen und Superreichen gedacht. Im Plazma, dem Club, in dem Andreys Freund Max den Host gibt, kostet der Eintritt an Silvester nicht wie sonst 25 Rubel sondern 250 Rubel. Das entspricht nach Kaufkraft 250 Euro. Das Plazma ist einer der Orte an denen man vergisst, dass man in Pridnestrowien ist. Der Club und seine Gäste könnten genauso gut in Wladiwostok, Warschau oder Wien sein. Jung, selbstverliebt, Dolce und Gabbana Fake-Shirts tragend, Bikinitänzerinnen auf der Bühne beobachtend. Der Barmann flambiert Cocktails, sodass die halbe Bar brennt, die Kids trinken den teuersten einheimischen Vodka und tanzen zu Eurotrash-Dance.
Max als Host im Plazma Club. Hier spricht Radio PMR. Nachrichten aus Transnistrien - Pridnestrowien - Kollektiv Fischka - Marcell NimfĂĽhr - Kramar - Andrey Smolensky

Doch mein Silvester wurde familiärer. Andrey ließ sich dafür von seinem Freund Vovan einladen und nahm mich mit. Ich hatte Vovan schon bei meinem ersten Besuch vor anderthalb Jahren kennen gelernt. Ein netter, ruhiger junger Mann, der gutes Deutsch spricht und den Andrey als seinen besten und innigsten Freund bezeichnet. Nach Beendigung seines Deutschstudiums wurde Vovan im Sommer zum Militärdienst eingezogen. Anders als die meisten Pridnestrowier wurde er nicht in die Armee berufen, sondern als Unteroffizier zum Staatssicherheitsdienst MGB, vormals KGB. Jener Geheimdienst, der ganz ungeheim schon im Vorfeld unserer Besuche bei Andrey anrief und fragte, wann denn die Österreicher wieder kämen und was wir hier zu tun gedachten. Zwei Jahre dauert dieser Dienst.

Der reichgedeckte Neujahrs-Tisch. Hier spricht Radio PMR. Nachrichten aus Transnistrien - Pridnestrowien - Kollektiv Fischka - Marcell NimfĂĽhr - Kramar - Andrey Smolensky

Ich brachte Vodka und Krimsekt mit und wurde von Vovan, seiner Freundin Aliessa, seiner 30jährigen Schwester Jelena, ihrem Gatten Dima und deren achtjährigen Sohn Slawa herzlich begrüßt. Der Fernseher brachte einen alten russichen Novi-God (Neujahrs-)Klassiker, einen Film über einen Mann aus Moskau, der mit seiner zukünftigen Ehefrau Novi God feiern soll, zuvor noch mit seinen Freunden in der Sauna Vodka trinkt, und anschließend in einer fremden Wohnung einer fremden Frau in Leningrad aufwacht. Sichtlich ziemlich lustig. In Vovans Wohnzimmer blinkten bunte Lichter am mageren Christbaum. Die Russen feiern nicht wie wir Weihnachten am 24. sondern zusammen mit Silvester am 31. Irgendwann am späteren Abend sang Jelena, die zufälligerweise Deutschlehrerin ist, O Tannenbaum. (Es gibt kein Entkommen). Der Tisch bog sich unter den Speisen, es gab drei verschiedene Majonaise-Salate, Majonaise-Eier, geriebenen Käse mit Butter, Salami, geräuchertes Schweinefleisch, geräuchertes Hühnerfleisch, geräucherter Fisch, scharfe Karotten, noch mehr Käse, Topfenbällchen mit Knoblauch, noch mehr Fisch. Später dann noch eine Hauptspeise, noch später Kuchen und Früchte in Schlagobers. Dazu Sekt, Vodka, Wasser und Kompott zum trinken.

Aliessa, Andrey  und Vovan nach dem Neujahrsschmaus. Hier spricht Radio PMR. Nachrichten aus Transnistrien - Pridnestrowien - Kollektiv Fischka - Marcell NimfĂĽhr - Kramar - Andrey Smolensky

Vovans Schwager Dima und ich waren die einzigen, die sich mit Vodka zuprosteten, nach einer Weile meinte er, dass er stolz auf mich wäre. Ein Kollege hatte mal einen Franzosen zu Gast, der immer nur einen ganz kleinen Schluck auf Höflichkeit trank. Ein Klassiker. In Pridnestrowien ist man erst ein Mann, wenn Vodka trinkt. Vodka und fettes Essen. Fettes Essen und Vodka.

Wir feierten drei mal Neujahr. Zuerst nach Moskauzeit, dann Tiraspolzeit und zuletzt Wienzeit. Als Moskau den Jahreswechsel vollzog, lauschten alle anwesenden gespannt der Novi God-Rede von Russlands Präsident Wladimir Putin. Eine Stunde später ignorierten die Anwesenden die Rede des pridnestrowischen Präsidenten Smirnow. Das zeigt uns ungefähr, wohin zumindest diese Familie blickt.

Vovans Neffe Slawa. Hier spricht Radio PMR. Nachrichten aus Transnistrien - Pridnestrowien - Kollektiv Fischka - Marcell NimfĂĽhr - Kramar - Andrey Smolensky

Es war ein lustiger Abend, Jelena freute sich ĂĽber die Gelegenheit, ihr rostiges Deutsch zu verwenden und entschuldigte sich mindestens hundertmal fĂĽr ihre schlechten Sprachkenntnisse. Gelegentlich vermischte sie die Sprachen und plauderte mit mir in Russisch, worauf alle lachten und noch mehr lachten, wenn ich sie trotzdem verstanden hatte. Nach einem gemeinsamen Spaziergang durch die Stadt und zur Dnester verlieĂź ich die Familie so gegen vier und ging ins Hotel schlafen.

Als ich zu Mittag in Andreys Wohnung zurückkam, völlig übersäuert von Essen und trinken, kam Andreys Vater Nikolai zu mir und wünschte Frohes Neues Jahr, stellte Vodka vor mich hin und zwang mich, faschierte Laibchen und Rote-Rüben-Fisch-Majonaise-Salat mit ihm zu essen. Gebt mir bitte einen Kübel.

Von Marcell NimfĂĽhr , Fischka