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Bla Bla Sex Massage

Posted in Transnistrien Reise Blog von admin am 19. Apr. 2007

Wenn die Summe aller Teile weniger als ein Ganzes ergeben, dann befindet man sich möglicherweise in Moldau. Denn Moldau sind die Dinge, die nicht funktionieren. Beispiel Hotel. Hotel Chisinau. 488 Lei, 30 Euro fuer das Doppel. Einheimische zahlen 40% weniger. Eine alte grüne Tapete mit runder Blumenornament. Darueber eine auch schon alte, dunkelrosa mit länglichen Blumenmuster. Es gab nicht genug von der neuen alten, so fehlt auf jeder Wand der eine oder andere Streifen und hinterlaesst einen eigenwilligen Gesamteindruck. Neben dem Bett steht ein grosser Kühlschrank, der nach einem Geruchstest seit 10 Jahren nicht mehr geöffnet wurde. Oeffnen wäre anschliessend beim Fenster ein Hit gewesen, jedoch vergeblich. Warmes Wasser war eine sehr lauwarme Angelegenheit. Aber es ist ja Frühling. Der neue Fernseher Marke Rubin geht einwandfrei.

Er hat sogar 50 Kanäle, doch alle zeigen lediglich ein blaues Bild. Wir haetten uns gern darueber beschwert, doch das Telefon sah nicht sonderlich arbeitstauglich aus. Aber es gibt in solchen Momenten immer auch einen unerwarteten Moment der Freude: Das erste mal in einem moldauischen Hotel konnte ich lesen, ohne mir die Helligkeit einer Kerze zu wünschen. 3-60-Watt Birnen erhellten den Raum enorm. Das Telefon funktionierte doch.

Kurz vor 1 in der Nacht weckt uns eine elendig laute Sirene. Nach dem dritten klingeln wird die Ursache klar: das Telefon. Ich hebe ab und sage “hallo”. Ein Frauenstimme sagt ‘hallo’. Ich sage “hallo”. Sie sagt auf russisch “bla bla bla Sex Massage”. Ich sage “nein danke” und versuche wieder zu schlafen.

Marcell Nimführ für Fischka.com

Artikel: Der Sheriff im wilden Osten

Posted in Artikel der Region, Transnistrien, Transnistrien Artikel von admin am 11. Apr. 2007

Am östlichen Rand der Europäischen Union befindet sich eine ehemalige Sowjetrepublik. Das Land heißt Moldau und wurde 1991 selbstständig. Eine russische Minderheit hat zur selben Zeit die Unabhängigkeit ausgerufen und ihr Land Pridnestrowien, hierzulande als Transnistrien bekannt, getauft. Es kam zu einem Bürgerkrieg 1992, einem Waffenstillstand und einem eingefrorenen Konflikt, der bis heute dauert. Moldau ist international anerkannt, Pridnestrowien gilt als Separatistenstaat. Beide Teile haben eigene Präsidenten, Währungen, Pässe, Armeen - wobei die Staatssymbole Pridnestrowiens außerhalb seiner Grenzen nirgends anerkannt sind. Heute bekämpfen sich beide Länder auf wirtschaftlicher und diplomatischer Ebene. Nur im Fußball ist alles anders. Der österreichische Botschafter für diese Region, Arad Benkö, dazu ironisch: »Das einzige, dass die beiden Länder verbindet ist die gemeinsame Nationalmannschaft.« Diese tritt als Republik Moldau auf. Wo in anderen Aspekten des Lebens kalter Krieg herrscht, spielen Moldauer und Pridnestrowier in einem Team und national in einer Liga.
Von Marcell Nimführ und Kramar vom Kollektiv Fischka. Veröffentlicht in: Ballesterer, April 2007

Widersprüche über Widersprüche

Die Hauptstadt des separatistischen Pridnestrowiens, Tiraspol, beherbergt den Serienmeister der moldauischen Liga, den FC Sheriff. Am Stadtrand steht eine Siedlung mit herunter gekommenen sozialistischen Wohnblocks, umgeben von Kleingärten. Der Putz bröckelt von den Häusern, die Dächer sind undicht, die Bewohner holen Trinkwasser vom örtlichen Brunnen. Am Ende der Siedlung, vorbei am Sheriff Supermarkt und an der Sheriff Tankstelle, taucht plötzlich einer der modernsten Stadion-Komplexe Europas auf. Es gibt ein überdachtes Trainingsstadion, eine Halle, eine Fußballakademie und ein Fünf-Sterne-Hotel. Das Stadion verfügt über 14.300 Sitzplätze und die möglicherweise einzigen sauberen öffentlichen Toiletten des ganzen Landes. SV Ried-Trainer Helmut Kraft erklärte im Rahmen eines UI-Cup-Spiels: »Der Kontrast ist ein Wahnsinn. Du fährst durch ein unglaublich armes Land und kommst in einem perfekten Stadion an. Das Trainingsgelände ist eine Wucht. Unvorstellbar, wenn man weiß, dass Moldau eines der ärmsten Länder Europas ist.«

Hier spricht Radio PMR: Nachrichten aus Transnistrien. Stadion FC Sheriff Tiraspol.-
In der moldauischen Liga hat der FC Sheriff keine Konkurrenz. Die Überlegenheit drückt sich auch in mangelnder Euphorie des Publikums aus. Zu nationalen Spielen der Schwarz-Gelben kommen oft nur 1.000 Zuschauer, obwohl ein Ticket ab vier PMR-Rubel (0,40 Euro) zu haben ist und die Stadt kein Überangebot an Samstagnachmittags-Ablenkung bietet. Ganz anders bei Europacupspielen. Da ist das Haus voll und der Stadionsprecher verkündet das UEFA-Motto von Nichtdiskriminierung und Antirassismus. In einem Land, deren Menschen sich von der Welt ausgeschlossen fühlen und andererseits mittelklassige Spieler aus Togo, Benin und Brasilien als sensationelle Exoten betrachten. Dabei durften internationale Matches bis vor einigen Jahren nicht in Tiraspol ausgetragen werden, da die Einreise in die abtrünnige Republik als gefährlich galt.

Pridnestrowische Verbandelung

Fußball und staatliche Macht sind in Pridnestrowien eng verbunden. Witalij Woinow, Dirigent der Stadionband ist hauptberuflich Major des pridnestrowischen Geheimdienstes und Leiter des Militärorchesters. Er erzählt: »Es ist ein erhebendes Gefühl, wenn ich die pridnestrowische Hymne anstimme und das Publikum ergriffen ist. Die Nationalhymne zeigt den Weg der Nation. Unsere Nation ist Pridnestrowien und für ihre Unabhängigkeit kämpfen wir. Ich bin Patriot und unterstütze den Verein, so wie der Verein meinem Orchester geholfen hat.«

Hier spricht Radio PMR: Nachrichten aus Transnistrien. Stadion FC Sheriff Tiraspol. Fans. Fussball.
Finanziert wird der Klub durch den Monopolkonzern Sheriff, zu dem Tankstellen, Supermärkte, die Telekom, ein Fernsehsender und eine Kognak-Fabrik gehören. EU und OSCE sehen in Sheriff eine riesige illegale Schmuggel- und Geldwaschanlage. Man munkelt, dass Regierung und Konzern ein zusammengehörender Teil der russischen Mafia seien. Recherchiert man die Vorwürfe, drängt sich der Verdacht auf, dass der FC Sheriff und das Stadion eine PR-Maßnahme sind, um in Europa beachtet zu werden.
Jedes Spiel ist somit auch ein patriotischer Akt zur Identitätsfindung eines jungen, nicht anerkannten Staates. Nach dem Abpfiff aber verlassen die Zuschauer den 200 Millionen Dollar teuren Stadionkomplex und kehren zurück in die Stadt mit den bröckelnden Fassaden, den Lenin-Denkmälern, den Ehrungen sowjetischer Helden der Arbeit. 90 Minuten internationalem Flair folgt der Alltag mit diplomatischer Isolation, wirtschaftlicher Blockade und sowjetischen Durchhalteparolen. Eine davon verkündete die Zeitung Tiraspol Times vor wenigen Wochen: »Wir haben im Fußball gewonnen. Damit schießen wir auch wieder ein paar Tore auf diplomatischer Ebene.«

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Reisen nach Pridnestrowien

Wer trotz der weiterhin bestehenden Reisewarnung des Außenministeriums ein Spiel des FC Sheriff Tiraspol sehen möchte, fliegt am besten in die moldawische Hauptstadt Chişinău. AUA und Air Moldova bieten den Flug um ca. 600 Euro an. Seit 1.1.2007 gibt es für Moldau keine Visumspflicht mehr. Von Chişinău kann man mit dem Bus für einen Euro oder mit dem Taxi für ca. 20 Euro nach Tiraspol fahren. An der inoffiziellen Landesgrenze zu Pridnestrowien warten Soldaten, die Euromünzen sammeln. Wer länger als 24 Stunden in Pridnestrowien bleibt, hat sich bei einer öffentlichen Stelle zu registrieren. Ohne Registrierung kann man kein Hotelzimmer mieten. Tickets sind im Fanshop auf der Strasse des 25. Oktober oder im Stadion erhältlich. Weitere Tipps zu Anreise und Aufenthalt unter: office(at)fischka.com

Von Marcell Nimführ und Kramar von Kollektiv Fischka.

Hier spricht Radio PMR: Nachrichten aus Transnistrien. Stadion FC Sheriff Tiraspol.

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