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Buchrezension der APA: Was sie schon immer über PMR wissen wollten

Posted in Allgemein, Transnistrien, Transnistrien Buch von admin am 10. Dez. 2007

Transnistrien in Buchform: Beeindruckende Porträts und Bilder aus einem Land, das es eigentlich nicht gibt
Von Andreas Tröscher

Wien/Tiraspol (APA) - Damit das klar ist: PMR gibt es nicht. Sagt der Rest der Welt. Die Menschen in PMR, der Pridnestrowskaja Moldawskaja Respublika, sind da gänzlich anderer Meinung. Sie sind überaus stolz, Pridnestrowier zu sein. Die beiden Wiener Fotografen Marcell Nimführ und Kramar haben in jahrelanger Kleinarbeit beeindruckende Fotos und sensible Porträts aus diesem Pridnestrowien geliefert, das in Europa besser unter dem Namen “Transnistrien” oder auch “Djnestr-Republik” bekannt ist.

“Hier spricht Radio PMR - Nachrichten aus Transnistrien” heißt der Bildband, der zahlreiche Texte von und über Menschen beinhaltet, die viel Leid ertragen mussten, von diesem das benachbarte Mitteleuropa, wo Handy und Internet gerade in den Startlöchern standen, so gut wie gar nichts mitbekommen hat. Sie berichten über “den Krieg” und meinen damit jenen von 1992; einer Auseinandersetzung, die auf beiden Seiten Hunderte Tote forderte und die trotzdem in der internationalen Berichterstattung von beschämender Inexistenz war.

Als die Sowjetunion in seine Bestandteile zerbrach, gab es plötzlich Moldawien. Eingezwängt zwischen der ebenfalls neugeborenen Ukraine und Rumänien, keimten in der russischsprachigen Bevölkerung die Urangst vor jener “Rumänisierung” auf, gegen die man sich schon zu Stalins Zeiten zu wappnen wusste. Am Fluss Dnjestr eskalierte schließlich die Situation, als transnistrische Separatisten dem Wunsch ihres Volkes nachkamen, sich von Moldawien zu lösen. Es kam zu Kämpfen, es fielen Schüsse, es hagelte Granaten, Söhne und Familienväter starben oder wurden verstümmelt. Zurück blieben verbitterte Menschen, Kriegsvesehrte, Witwen, Waisen, die das Erbe der “Freiheitskämpfer” mit eiserner Disziplin am Leben erhalten.

Nimführ und Kramar haben es geschafft, die Welt aus transnistrischer Sicht zu schildern, nicht aus jener der Westeuropäer oder Amerikaner, die dem schmalen Landstrich seit jeher die Anerkennung auf Selbstständigkeit verweigern und ihm gerne Attribute wie Schmuggelparadies, Mini-Sowjetunion”, Isolation, Gleichschaltung und Korruption zusprechen. Die Überzeugung, mit der Frauen, Männer, Studenten, Arbeiter, Pensionisten und Jugendliche von “ihrem Land” sprechen, belegt eine ungeheure Sehnsucht nach Identität und Zukunftshoffnung, die dieser Region nach dem Zerfall der UdSSR größtenteils abhanden gekommen sind.

(S E R V I C E - “Hier spricht Radio PMR - Nachrichten aus Transnistrien”; Verlag für Bildschöne Bücher, ISBN 978-3-939181-07-1, 240 Seiten, 210 x 280 mm, Hardcover, mehr als 150 Abbildungen, Texte in Deutsch, Englisch und Russisch; Preis: 35 Euro; Infos im Internet unter: http://www.fischka.com/hier-spricht-radio-pmr/das-buch/)

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