Hier spricht Radio PMR: Nachrichten aus Transnistrien
| Ein Propagandabuch vom Kollektiv Fischka - Erschienen im Verlag für Bildschöne Bücher, Oktober 2007, Hardcover, 240 Seiten, 150 Abb., Deutsch, Englisch, Russisch. Von Kramar, Marcell Nimführ, Andrey Smolensky. Transnistrien gehört zur Republik Moldau (sagen die Moldauer), Transnistrien ist unabhängig (sagen die Transnistrier), Transnistrien darf es nicht geben (sagt die westliche Welt). Seit sechs Jahren erkunden die Autoren Kramar und Marcell Nimführ das Land links des Flusses Dnjestr. Auf ihren Reisen haben sie Land und Leute kennengelernt, Reportagen und Porträts aufgezeichnet. Durch das Buch blättern! Erhältlich bei Kollektiv Fischka, ba/ca kunstforum, essl museum - kunst der gegenwart, www.amazon.de. |
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Null Acht gewinnt Silber-Pokal
Null Acht, das junge und engagierte Magazin für Rasenpflege, erhält beim internationalen Joseph Binder Award 2008, initiert von Design Austria, den zweiten Preis in der Kategorie “Editorial Design”. Hinter der prämierten Gestaltung steht Herausgeber, Chefredakteur und Art-Direktor Alois Gsöttner (AGCN) und sein Team an TexterInnen, IllustratorInnen und FotografInnen.
Am Cover der vierten Ausgabe: Fussballer Karsten Jancker fotografiert von Kollektiv Fischka.
Die Vienna Design Week 2008 Review
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Die Neigungsgruppe Design, Initiator der nunmehr zweiten Vienna Design Week, lädt am 25. November 2008 ins Levante Parliament zum inoffiziellen Abschluss von zehn Tagen Design-Offensive in Wien und in den Partnerstädten Prag und Bratislava, und präsentiert die von BIA mit Fischka-Bildern gestaltete 144-seitige Vienna Design Week Review 2008.
“Beginner’s Mind” - das Akron-Group Annual 2008
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“Den wohl aussergewöhnlichsten Jahresbericht der Immobilienbranche präsentierte die Akron-Gruppe: Nicht nackte Zahlen und Fakten, sondern die Mitarbeiter des Unternehmens und Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Religion und Kultur stehen im Zentrum des Werks mit dem Titel `Beginner’s Mind´ […].” (Format, 40/2008)
AGCN gestaltete, unter Konzeption von Liquid Frontiers, mit inszenierten Porträts vom Kollektiv Fischka und der Architekturfotografie von Lukas Schaller, dieses 144-seitige grossformatige Annual für die Wiener Akron-Gruppe.
thegap über ostblog.at
“Jüngstes Kind des anhaltenden Balkan Pop-Hypes: Der etwas nostalgische Ostblog.
[…] Aus dem anhaltenden Balkan Groove-Hype wurde diesen Sommer auch der Ostblog geboren. Die von Wien aus vom Kollektiv Fischka betriebene Blog (per Feeder abonnierbar) widmet sich zeitgenössischer Musik und Kultur aus Süd- und Osteuropa und ist derzeit de facto vor allem eine Tonträger-Empfehlungs- und Veranstaltungsplattform für Ost-Kulturelles aller Art. Inklusive Festivalkalender mit Geomap. Nicht besonders meinungsstark und ohne besonderes explizit demonstriertes politisches Bewusstsein – dennoch dürfte hier teilweise zu fragwürdiger Sowjet-Nostalgie mitgeschunkelt werden. Jedenfalls ausbaufähig.” (Thomas Weber, thegap)
Wien Energie: Kunst im Umspannwerk
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“Als die Fotografen im Juni mit der Kamera, Stativ und einem kleinen Hocker im Umspannwerk (UW) Nord auftauchten, wunderte man sich noch. Design? Hier? Wofür das Ganze?
Schnell wurde klar, dass die Herren es ernst meinten und die Kollegen im UW Nord waren Feuer und Flamme für das Bildprojekt für eine Designerveranstaltung im Herbst. Das Foto wurde als Werbe-Postkarte zum Thema Passionswege verwendet. Kollege Andreas Zeller gab Obacht, dass die Fotografen im Eifer des Gefechts nicht in die Hochspannung kamen und Kollege Rudolf Kaltenbrunner wurde kurzerhand zum Star des Bildes. Er wird (zumindest im Umspannwerk) als Rasenmäher-Mann in die (Design)-Geschichte eingehen. Infos zur Designmesse im Herbst und die Passionswege im Internet: www.viennadesignweek.at […]
Der Hocker/Beistelltisch von Nicole Aebischer (CH) wurde im Umspannwerk Nord von Kramar an den richtigen Platz und ins rechte Licht gerückt.” (ilo/Ilona Matusch)
Süddeutsche Zeitung über “Hier spricht Radio PMR”
“[…] Nur hundert Kilometer vom berühmten Odessa entfernt liegt das nur von Russland anerkannte Transnistrien und keiner kennt es. Eine schöne Ausgangslage, dachte sich wohl auch das Wiener und transnistrische Kollektiv Fischka. Was dabei herauskam, ist eine amüsante und interessante, aber auch etwas fragwürdige Sache. Am gelungensten sind die in dem Band „Hier spricht Radio PMR“ veröffentlichten Fotografien, die Alltag und Festivitäten in Pridnestrowien, wie sich das politisch und wirtschaftlich von der Familie Smirnov dominierte Transnistrien nennt, von ihrer buntesten Seite zeigen. Man nehme die Ästhetik sowjetischer Propagandabände, peppe sie durch westlichen Pop noch etwas auf, und schon hat man einen neuen, noch viel schöneren Propaganda-Band.
Die Ironie ist offensichtlich, aber auch deren hier systemstablisierende Funktion. Nicht für den Westen. Da wirken die versammelten, beinahe immer staatsgläubigen Selbstdarstellungen wackerer Pridnestrowier eher wie eine unfreiwillige Selbstverhunzung. Aber die Propagandisten des Smirnov-Clans dürfen sich freuen, dass sich da westliche Künstler gefunden haben, die den eigenen Untertanen für einmal das Gefühl geben, wichtig genommen zu werden.” (Hans-Peter Kunisch, Süddeutsche Zeitung).
Kollektiv Fischka bei Moldova Camping
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Im Rahmen von Moldova Camping, einer Produktion des Büro für kulturelle Angelegenheiten unter Franziska Sauerbrey und Isabel Raabe, präsentiert das Kollektiv Fischka, gemeinsam mit weiteren moldauischen und deutschen Künstlern (N. Esinencu, P. Braila, T. Dückers, u.v.m.), in Braunschweig und im Berliner HAU2-Theater auf integrative, multimediale, propagandistische, sowjetophile, weltoffene, einnehmende und vereinnahmende Weise den “5. Versuch der Erstellung einer transnistrischen Teilrealität”.
ostblog.at
Um zeitgenössische Musik aus Ost- und Südosteuropa gehts beim neuen Web-Projekt des Kollektiv Fischka: Auf www.ostblog.at. bringen DJ Putin da Rekord und Kramar Neuigkeiten und Rückblicke der Geschehnisse in den Musikszenen von Russland, Ukraine, Rumänien, Moldau, Weissrussland, Polen, Bulgarien, Rumänien, Jugoslawien, Serbien, Bosnien, Kroatien, Montenegro, Makedonien, Slowenien, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Albanien, …
Transnistriensause im Ost Klub
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Kollektiv Fischka und Tovaritch Vodka proudly presents: Russendisko war gestern, heute veranstaltet das Kollektiv Fischka Die Transnistriensause!und feiert damit das transnistrisch-russisch alte Neue Jahr Ost Klub Der 4. Versuch der Erstellung einer transnistrischen Teilrealität |
Buchrezension der APA: Was sie schon immer über PMR wissen wollten
Von Andreas Tröscher
Der Kurier über “Hier spricht Radio PMR”
Printausgabe des Kurier vom 3. November 2007: “Wer oder was ist PMR? Wladimir Kaminer meint im Vorwort: ‘Europäer lachen gern über Amerikaner, di eihre geografischen Kenntnisse aus Actionfilmen beziehen … Aber welcher Europäer weiß von der Existenz eines Staats namens PMR?’ Gute Frage. Abhilfe schafft die Lektüre des Buches ‘Hier spricht Radio PMR’ (Kramar und Marcell Nimführ mit Andrey Smolensky, 35€), das dem Verlag für Bildschöne Bücher Ehre macht. Der Transnistrien genannte, international nicht anerkannte Staat liegt im Osten Moldawiens und zählt 555.000 Einwohner (…). Soweit die Fakten. Die Geschichten über Kultur, Identität und Schicksale in diesem Buch aber sind so lebendig, wie die 150 Fotos darin. Bleibt ein Wunsch: eine Ausstellung mit den Fotgrafien. Das wär’s. -caro”

Titel von Bildschöne Bücher gewinnt deutschen Fotobuchpreis
Dirt Ollies, das Skater-in-Mongolei-Buch von unserem Verlag Bildschöne Bücher hat den deutschen Fotobuchpreis 2008 gewonnen. Gratulationen vom Kollektiv Fischka!

von Marcell Nimführ, Kollektiv Fischka
Lesermeinung zum Buch: Christian Müller, Fotograf
“Das vorliegende Foto-Buch ist ein äusserst gelungenes seiner Gattung. Buchdrucktechnisch sehr hochwertig und sehr sauber gemacht. Sehr gute Reportagefotografie, interessante, informative Texte, denen oft ein gewisses Augenzwinkern nicht fehlt.
Es fällt mir schwer den Band in eine einzige Kategorie einzuordnen, werden doch gleich mehrere Lesergruppen bedient. Interessenten für Fotografie, Reportage und Reise werden ebenso bedient wie Ost-Nostalgiker und Kommunismus-Romantiker. Letztere werden sich besonders freuen.
Kurzum:
Guter Stoff, gute Arbeit. Ein Bilderbuch zum Lesen.”
von Christian Müller, veröffentlicht auf amazon.de
Das Buch: HIER SPRICHT RADIO PMR
NACHRICHTEN AUS TRANSNISTRIEN
Ein Propaganda-Buch
Mit einem Vorwort von Wladimir Kaminer
Verlag für Bildschöne Bücher, 2007
ISBN 978-3-939181-07-1
240 Seiten, 210 x 280 mm, Hardcover,
mehr als 150 Abbildungen
Deutsch, Englisch, Russisch
€ 35,00
Erscheint im Oktober 2007
Von Kramar, Marcell Nimführ, Andrey Smolensky
Kaum jemand im Westen kennt Transnistrien (auch Pridnestrowien oder PMR genannt). Es ist international nicht anerkannt, hat keine wahrnehmbare Stimme und die wenigen Medienberichte zeigen ein eindimensionales Bild. Die EU hätte das Problem gerne vom Tisch.
Seit sechs Jahren erkunden die Autoren Kramar und Marcell Nimführ das Land links des Flusses Dnjestr. Auf ihren Reisen haben sie Land und Leute kennengelernt, Reportagen und Portraits aufgezeichnet. Glück hatten Sie auch: Sie lernten den Dolmetscher, Radiomoderator und Uni-Lektor Andrey Smolensky kennen. Er zeigte ihnen Orte, die westlichen Augen bisher verwehrt blieben und machte Sie mit Leuten
bekannt, die sonst keinen Journalisten so freundlich Auskunft gegeben hätten.
Transnistrien gehört zur Republik Moldau (sagen die Moldawier), Transnistrien ist unabhängig (sagen die Transnistrier), Transnistrien darf es nicht geben (sagt die westliche Welt). Unter den Westlern kann man Kramar und Marcell Nimführ als die wirklich intimen Kenner der PMR bezeichnen.
Die Autoren verteidigen kein Regime und unterstützen keine möglichen kriminellen Handlungen des Regimes. Es gibt keine einzige Wahrheit und dieses Buch erhebt keinen Anspruch auf eine solche. Es zeigt vielmehr, wie Pridnestrowier (Transnistrier) dieses Land wahrnehmen.
Ein Fotoband, ein Reisebericht, ein Buch ¸ber Propaganda und Gegen-Propaganda: Mit “Hier spricht Radio PMR” ist den Wiener Journalisten ein grandioses fotografisches Portrait gelungen. In zahlreichen Interviews und transkribierten Radioberichten wird ein differenziertes Bild der “kleinen Sowjetunion” gezeichnet.

Transnistrien: Lenins Niemandsland lebt
Gena Tschokalev schultert das ölige Gewehr , schiesst, und trifft – nicht. Ein zweiter Versuch, extra für uns, die fremden Gäste. Konzentration, Beschwörung. Diesmal löscht er mit dem Schuss ein brennendes Streichholz, vier Meter entfernt hinter seinem Rücken. Der etwa 60jährige Gena ist ein geübter Könner, besitzt er doch die bunte Schießbude mitten in Tiraspol, der Hauptstadt der nicht anerkannten Republik Pridnestrowien.
Von Marcell Nimführ und Kramar von Kollektiv Fischka. Veröffentlicht in: Liga für Menschenrechte (2006)

Auf einem Zehntel der Fläche Moldaus, auf einem Burgenland-grossen Gebiet, leben 600.000 Menschen. Am 2. September 1990 wird dort die Pridnestrovskaia Moldavskaia Respublika (kurz PMR, auch als Pridnestrowien oder Transnistrien bekannt) ausgerufen. Ein ehemaliger Fabrikdirektor namens Igor Smirnov ernennt sich zum Präsidenten, die Regierung heißt „Oberster Sowjet“, die Ausrichtung ist kommunistisch, offiziell dreisprachig. Es leben hier Russen, Ukrainer und Moldauer. Noch 15 Jahre später dienen Leninstatuen sowie Hammer und Sichel zur Wahrung des sowjetischen Erbes in Pridnestrowien. Das Land ist nirgends anerkannt, wird diplomatisch bedrängt und politisch isoliert.
Die PMR liegt auf dem Gebiet der Republik Moldau, zwischen Rumänien und der Ukraine. Stalin verband das von der Dnjestr getrennte rumänische Moldau im Westen mit dem russischen Gebiet im Osten erstmals. 1990 beginnt Moldau, sich von der Sowjetunion zu lösen und strebt einen Anschluss an die „Mutter“ Rumänien an. In der Angst „rumänisiert“ zu werden, spalten sich die Russen im Osten ab und erklären das Territorium zwischen Dnjestr und der Ukraine, in dem sie gemeinsam mit den Ukrainern die Mehrheit halten, für unabhängig.
In Genas Schießbude hängt eine Schwarzweissfotografie eines ernsten jungen Mannes. „Das ist mein Sohn Igor“, meint Gena leise, „er ist im Krieg gefallen.“ Auf der Brücke über den Fluss, zwischen Tiraspol und der umkämpften Stadt Bendery ist er erschossen worden. Eine Woche vor seinem 29. Geburtstag im Juni 1992. Drei Monate zuvor brach der Bürgerkrieg aus, da Moldau das abgespaltene Gebiet mit Waffengewalt unter Kontrollen zu bringen versuchte. Pridnestrowien schlug den Feind zurück, mit Unterstützung der in Tiraspol stationierten russischen 14. Armee. Im September wurde ein Waffenstillstand geschlossen. Die russische Armee schuf eine Pufferzone und tritt seitdem als Friedensbewahrer auf. Der Konflikt gilt als eingefroren, aber nicht gelöst. Bis heute.
Gemeinsam mit unserem Freund und Dolmetscher Andrey begleiten wir den Schießbudenbesitzer zum Friedhof im Westen Tiraspols. Gena packt Brot, Wurst und eine Flasche Vodka aus. Still isst und trinkt er mit seinem toten Sohn nach russischer Tradition. Er nimmt ein Stück Brot, steckt eine Zigarette hinein, zündet sie an und stellt sie auf den Grabstein. Nachdem die Zigarette runtergebrannt ist wiederholt er den Vorgang. Nach der zweiten fragen wir, ob sein Sohn eine Chesterfield rauchen würde. Gern, meint Gena, ausländische Zigaretten hätte Igor immer gemocht. Warum habe sein Sohn nur sterben müssen in diesem unsinnigen Krieg, fragt Gena sich selbst. Igor Tschokalev war eines von knapp 1000 Opfer auf beiden Seiten.
Der Konflikt wurde im Schatten des Bosnien-Krieges medial kaum wahrgenommen. In den letzten Jahren hat die Berichterstattung über Pridnestrowien zugenommen und zeigt häufig ein noch einseitigeres, auf Sensation zielendes Bild als es schon bei Moldau der Fall ist. Wiederkehrende Schlagworte: Armenhaus Europas, Separatistenstaat, Gangsterrepublik, selbsternannter autoritärer Präsident, Schattenwirtschaft, die größte illegale Kalaschnikowproduktion der Welt in unterirdischen Fabriken, Mafia, Menschenschmuggel, Freilichtmuseum des Sowjetkommunismus, Drogenumschlagplatz, Waffenlieferant für Al Kaida.
Für die Pridnestrovier ist diese Sicht auf Ihr Land verletztend. Dies sei blosse moldauische und OSCE-Propaganda. Pridnestrowien ist seit über 15 Jahren ein de facto existierender, relativ stabiler Staat. Die PMR besitzt, abgesehen von internationaler Anerkennung, alle konstituierenden Staatsmerkmale. Es gibt eine Zollbehörde, eine Bank und eine schlagkräftige Armee. Andrey, unser Dolmetscher besitzt neben einem moldauischen Personalausweis und einem russischen Pass auch einen pridnestrov’schen, der sich allerdings nicht zum Reisen eignet. Er verdient seinen Unterhalt in PMR-Rubel, der eigenen Währung, die außerhalb des Landes nicht konvertibel ist. Als Radiomoderator einer deutschsprachigen Nachrichtensendung auf Mittelwelle erhält er umgerechnet 75 Euro pro Monat. 20 Euro kostet die Wohnung, 5 Cent eine Busfahrt, dafür allerdings 10 Cent für eine Minute Handytelefonie in einem weltweit einzigartigen 800Mhz-Netz. Angeblich betreibt Pridnestrowien Geräte, die den Mobilfunkverkehr Moldaus stören sollen.
Der Konflikt geht auf diplomatischer und wirtschaftlicher Ebene weiter. Moldau unterbricht die Festnetztelefonverbindungen nach Pridnestrowien. Die PMR wiederum stürmt moldauische Schulen auf ihrem Territorium um moldauische Geschichte und Sprache zu unterbinden. Die EU hat sich auf die Seite Moldaus gestellt und symbolische Einreiseverbote für die Pridnestrov’sche Regierung erlassen. Die OSCE wirft der PMR Waffenschmuggel vor. Die regimetreue Jugendorganisation Proriv besetzt das OSCE-Büro in Tiraspol. Russland scheint vor allem an einem eingefrorenen Status Quo interessiert und unterstützt Pridnestrowien mit Energie. Pridnestrowien kappt dafür gelegentlich die Energielieferungen an Moldau. Die Ukraine nähert sich seit Juschtschenkos Amtsantritt der EU-Position an. Sie erzeugt den von der EU gewünschten wirtschaftlichen Druck auf die PMR durch verschärfte Zollbestimmungen, die in Tiraspol als Blockade gesehen werden. Die USA ist schlußendlich als geopolitischer Kontrapunkt zu Russland auf der Seite Moldaus. Es gibt regelmäßige Treffen aller Parteien, Lösungsvorschläge werden diskutiert und abgelehnt. Vorläufig bleibt es bei einem Kreislauf aus ergebnislosen Verhandlungen und darauffolgenden Repressionen.
Der pridnestrov’sche Alltag trotzt den internationalen Einschüchterungsversuchen. Andrey geht wöchentlich mit Eimern zu einem öffentlichen Brunnen, um Trinkwasser zu holen. Jenes, das aus der Leitung kommt und rostbraune Flecken in der Badewanne hinterlässt wäre vermutlich krebserregend, meint er. Zum Waschen erhitzt er einen großen Topf auf dem Herd. „Fast wie im Mittelalter“ witzelt Andrey und freut sich auf gelegentliches Warmwasser aus der Leitung, dass es auf jeden Fall zu nationalen Feiertagen gibt. Diese gibt es häufig, unter anderem an Tag der Frauen am 8. März, am 9. Mai Tag des Sieges im großen Vaterländischen Krieg, dem 2. Weltkrieg, sowie der Republikstag am 2. September. An diesem Tag wurde letztes Jahr das 15-jährige Bestehen des Landes mit einer großen Parade mit Panzern und Katjuscha-Raketen gefeiert. Soldaten, darunter auch Andreys Cousin Aljosha marschierten im Gleichschritt hinter hunderten Fahnenträgern. Balletttanzende Kinder und Veteranen der verschiedenen Kriege runden das Selbstbild Pridnestrowiens ab. Der wissenschaftliche Osteuropa-Experte Stefan Troebst beschreibt dieses als „großrussisches“ mental mapping mit neuer regionaler Identität. Oder wie Andrey es ausdrücken würde: „Ich bin ethnischer Russe und pridnestrov’scher Patriot.“
Neben Gedenkfeiern, Lenindenkmälern und Geschichtsmuseeen ist nach Troebst die seit 1990 durchgeführte pridnestrov’schen Geschichtsschreibung das wichtigste Mittel der nationalen Identitätsfindung. Der erste Satz der im Jahr 2000 veröffentlichten, zweibändigen „Geschichte der PMR“ lautet: „Seit je nehmen die transnistrischen Gebiete eine außerordentlich wichtige Stellung in den gewaltigen Räumen Eurasiens ein.“ Diese Stellung sei vor allem russisch und in weiterer Folge pridnestrovisch, aufgehängt auch am Personenkult um die Gründerfiguren. Neben Tiraspols Gründer Suworow und Lenin als Vater der geistigen Heimat Sowjetunion hat auch der Präsident und Bewahrer der PMR, Smirnov seinen Platz.
Zu Igor Smirnov gibt es kaum Opposition. Für viele Pridnestrovier ist diese auch keine Alternative. Denn Opposition hieße Anschluss an Moldau und das will niemand, mit dem wir sprachen. Abseits der Durchhalteparolen gibt es nachvollziehbare Gründe gegen eine Vereinigung. „Es gibt nur ein einziges Symbol der Gemeinsamkeit des zerissenen Landes, nämlich eine einheitliche Fussball-Nationalmannschaft.“ meint Arad Benkö, zuständiger österreichischer Botschafter für Moldau. Die PMR würde die fragwürdigen Früchte der Transformationsreformen ernten, die Moldau an den Rand des sozialen und wirtschaftlichen Kollaps gebracht haben: Energiekrise, Massenarbeitslosigkeit und Mitverantwortung für die Schulden die Chisinau beim Internationalen Währungsfond angesammelt hat. Moldau wird gelegentlich als gescheiterter Staat bezeichnet.
Abschied vom einzigen nicht anerkannten Land in Europa. Abschied von einem existenten Pridnestrowien. Andrey begleitet uns wie immer zum Bus. Rüber nach Moldau, Flughafen Chisinau. Der moldauische Zollbeamte rümpft die Nase. Er hat unser Reisesouvenir, ein Kaffeehäferl mit dem pridnestrov’schen Wappen entdeckt. „Bananen-Republik“ schimpft er und läßt uns trotzdem durch.
von Marcell Nimführ und Kramar

Neues Kapitel im diplomatischen kalten Krieg zwischen Moldau und Transnistrien
Die transnistrische online-Zeitung Tiraspol Times berichtet, dass moldauische Soldaten Autos, die aus Transnistrien nach Moldau eingereist sind, die transnistrischen Nummerntafeln abmontiert haben und damit den Besitzern sowohl die Weiter- als auch die Rückfahrt verboten haben. Gemäß Tiraspol Times seien 2000 Wagen auf diese Weise konfisziert worden. Moldau habe verlautbart, dass die Besitzer eine moldauische Nummerntafel beantragen könnten und natürlich in Moldau Steuer und Importzoll zahlen müssten. Allerdings musste der moldauische Innenminister auf einer Pressekonferenz zugeben, dass es noch keine Möglichkeit gäbe, die Wagen tatsächlich in Moldau registrieren zu lassen. Mehr dazu bei Tiraspol Times.
Von Marcell Nimführ und Kramar, Fischka.com
Proriv Ideologe Soin dementiert möglichen Smirnow-Rücktritt
Transnistrien, Tiraspol: Wie Dimitrij Soin, Chefideologe der transnistrischen Jugendbewegung Proriv, in einem Interview mit der transnistrischen Agentur tiras.ru erklärte, seien die Spekulationen um den möglichen Rücktritt von Präsident Igor Smirnow unbegründet. Es handle sich hierbei um Fehlinformationen, die von moldauischen Propaganda-Abteilungen erfunden werden.
Von Marcell Nimführ und Kramar, Fischka.com Â


